Krankengeschichte Christian Broich

 

1992 im Alter von 31 Jahren nach vielen Jahren mit Rückenproblemen wurde mittels CT festgestellt, dass ich einen großen Bandscheibenvorfall L5/S1 zu früheren Zeiten erlitten haben muss, der aber nicht behandelt worden ist. Ich erinnere mich an die ersten Rückenprobleme im Mai 1984 während meiner Bundeswehrzeit. Und weiter wird mir klar, dass ich immer wieder Probleme hatte, diese aber nie richtig beachtet, geschweige denn behandeln lassen habe.

Im Sommer 1993 war ich im Urlaub zu Besuch bei meinen Eltern in Lübeck und habe am 19.07. morgens im Bad erneut einen starken Vorfall erlitten. Der Hausarzt meiner Eltern hat mich drei Wochen mit Paracetamol 1000 und Diclofenac ruhig gestellt. Seither habe ich eine angegriffene Leber. Trotz Ruhigstellung keine Verbesserung. Im Gegenteil: Nach drei Wochen weiteres Herausquellen des Bandscheibenvorfall. Gehen/Sitzen unmöglich, Liegen geht nur mit starken Schmerzmittel. Keine Kontrolle mehr über die Beinmuskulatur im linken Bein. Ich falle einfach hin.

Eine Vorstellung in der Privatsprechstunde beim Chefarzt der Neurochirurgie der Uniklinik Lübeck Prof. Arnold verläuft enttäuschend ("Ihnen geht es doch noch gut!").

Ich höre mich bei meinen ehemaligen Mitschülern in Lübeck um und erfahre von einer neuen Orthopädiepraxis in Bad Schwartau: Dres. Troch und Paul. Insbesondere Dr. Troch gibt sich sehr viel Mühe und ist sehr engagiert. Nach 1,5 Wochen liegen CT-Bilder vor und der ganze Schaden ist sichtbar. Riesiger Bandscheibenvorfall L5/S1, leichte Protrusion L4/L5.

Dr. Troch empfiehlt schnellstmögliche OP und rät zur Uniklinik Lübeck Klinik für Orthopädie. Dort sei ein neuer Chefarzt aus München mit sehr gutem Ruf. Dr. Troch ruft in meinem Beisein persönlich dort an und so bekomme ich innerhalb von 4 Tagen einen Termin.

Am 26.08.1993 dort Vorstellung in der Ambulanz beim Oberarzt, Entscheidung sofortige Operation. Am Sonntag (!) 29.08. werde ich aufgenommen und untersucht, am 30.08. morgens vom Chefarzt Prof. Gradinger operiert. Es ist eine klassische Bandscheibenoperation mit einer etwa 10 cm großen Narbe. Der große Vorfall L5/S1 wird inklusive von teilweise bereits verknöchertem, sequestriertem Material entfernt.

Bereits am Tag nach der Operation kann ich für 10 min aufstehen. In den folgenden 9 Tagen nach der Operation werden die "Stehzeiten" bis auf 2h am Stück ausgedehnt. Anschließend werde ich mit KrKW aus der Uniklinik Lübeck in die Nachsorgeklinik St. Elisabeth nach Eutin gebracht. Dort läuft dann das komplette Physiotherapieprogramm an. Sehr viel geholfen hat mir das Bewegungsbad. Zweimal in der Woche kommt Prof. Gradinger oder sein Ltd. Oberarzt aus der Uniklinik nach Eutin zur Visite. Ich halte mich strikt an alle Anweisungen der Ärzte.

Anfang Oktober werde ich zu meinen Eltern nach Hause entlassen und beginne mit 3x wöchentlich KG und viel Spazieren gehen.

Anfang Dezember 1993 nehme ich meine Arbeit in Mannheim wieder auf, allerdings nur mit 4 Stunden täglich. Ab Ende Januar 1994 arbeite ich wieder Vollzeit. Ich bekomme regelmäßig 2x wöchentlich Krankengymnastik bis Mitte 1995. Dann wollen die Docs nichts mehr aufschreiben.

Bis Mai 1999 keine weiteren Probleme, ich kann Gehen/Stehen/Sitzen ohne größere Probleme. Bin sogar wieder intensiv Motorrad gefahren (Urlaubsreise mit bis zu 12 Stunden auf dem Motorrad).

Im nachhinein betrachtet: Ich vernachlässige meine Übungen und die Kräftigung der Rückenmuskulatur in der Zeit seit Sommer 1995.

Ende Mai 99 beim hineinstellen einer kleinen Farbdose hinten in meinen Kombi macht es "Knack" und ich weiß was die Stunde geschlagen hat.

Im Juni 99 MRT mit dem Ergebnis:

Narbenplatte L5/S1 gut verheilt, keine Auffälligkeiten bis auf verminderte Höhe des Bandscheibenschachtes, aber starker Bandscheibenvorfall L4/L5, kleinerer Bandscheibenvorfall L3/L4, Protrusion L1/L2. Die 1993 bereits angegriffene Bandscheibe über der operierten hat also den Geist aufgegeben. Alle Bandscheiben sehen degeneriert aus, mein Orthopäde meint, das sei erblich/genetisch bedingt. "Sie haben Bandscheiben wie ein 70jähriger!"

Gehen/Stehen geht maximal für 30 min, Sitzen geht ausgezeichnet (habe Gott sei Dank einen Bürojob). -> KG, Schmerzmittel -> Erwerbsminderung 30 %

Bekomme ab Ende August in der Atos-Klinik in Heidelberg PRT-Behandlungen. Nach 6 Behandlungen tritt endlich eine länger dauernde Schmerzreduktion ein. Hält so ca. 5 Monate. Dann wieder Schmerzmittel und alles wieder von vorne.

Im September 2000 Peridualkatheder in der St. Johannis-Klinik in Landstuhl als Schmerztherapie. Es wird ein Katheder in den Rücken an die betroffene Bandscheibe geschoben und die Bandscheibe mit Cortison/Schmerz-/Betäubungsmittel und Kochsalzlösung umspült. Dieser Vorgang wird 4 Tage lang jeweils morgens und abends wiederholt. Nach jedem Spülen ist alles ab Bauchnabel abwärts für 8-12 Stunden gelähmt. 24 Stunden nach der letzten Spülung registriere ich, dass ich das erste Mal seit Monaten ohne Schmerzmittel schmerzfrei bin. Es beginnt ein intensives Physiotherapieprogramm in der Klinik mit 4 bis 6 Anwendungen am Tag. Nach 2 Wochen in der Klinik werde ich komplett schmerzfrei und wesentlich beweglicher als vorher entlassen. Ich kann mir wieder selbst im Stehen meine Hosen und Socken anziehen! Die Stehzeit hat sich auf über 1 Stunde ausgedehnt, gehen geht sogar noch etwas länger.

Hat dann ein halbes Jahr gehalten, war 6 Monate völlig schmerzfrei und konnte mir sogar eigenhändig ohne lange Waschbürste wieder unter der Dusche die Füße waschen.

Damit ist es seit März 2001 aber wieder vorbei. Die gleichen starken Schmerzen wie vorher kehrten zurück. Ich stoße im Internet auf ein Forum und lese ein Posting über das homöopathische Medikament Teufelskralle. Da ich wegen starker Leberschädigung keine Paracetamol oder Diclofenac mehr vertrage, Ibuprofen400 kaum hilft und die Ärzte Viox nicht gerne verschreiben, beginne ich mit Teufelskralle zu experimentieren.

Ich nehme die Teufelskralle Tabletten von ratiopharm langsam steigernd bis zu einer Dosierung von 3x täglich 3 Tabletten. In Absprache mit meinem Hausarzt habe ich die Dosierung soweit über das empfohlene Maß hinweg angehoben. Es braucht allerdings einige Tage bis diese Tabletten ihre volle Wirkung entfalten. Bin dann wieder zurück auf 3x2 Tabletten. Da ich aber im Internet eine Studie der Uniklinik Heidelberg gelesen hatte, in der davon die Rede war, dass die Einnahme von Teufelskralle auch unterstützende Wirkung für "gewöhnliche" Schmerzmittel hat, habe ich in diesen Tagen parallel die Dosierung der anderen Schmerzmittel heruntergefahren. Ich konnte außerdem keine der bisherigen Nebenwirkungen von Schmerzmitteln bei mir feststellen. Mein Hausarzt hält das Medikament auch in dieser hohen Dosis für ungefährlich, solange man kein Magengeschwür hat.

Habe mir im Sommer eine Sauna in den Keller einbauen lassen, weil ich festgestellt habe, dass intensive Wärme die verspannte und verhärtete Rückenmuskulatur weich und damit besser empfänglich für Physiotherapie macht.

Habe von September bis November 2001 dann eine EAP (Erweiterte Ambulante Physiotherapie) bekommen: 4 Stunden Physiotherapie und leichtes Gerätetraining. Ich habe ab Oktober das Medikament Teufelskralle dann heruntergefahren bis auf 0.

Von Dez 2001 bis Feb 2002 - von dem üblichen Zipperlein (Wetter, Grippe) einmal abgesehen - schmerzfrei, solange ich nicht länger als 60 min auf den Beinen bin (gehen oder Stehen). Mit 2x wöchentlich KG wird die Rückenmuskulatur weiter stabilisiert, weil diese auf der linken Seite völlig verkümmert ist. Falsche Übungen oder sonstige Überbelastungen machen sich immer erst am nächsten Tag als Schmerzen bemerkbar. Es erfolgt keine unmittelbare Reaktion. Die Schmerzen entstehen im LWS-Bereich, es kommt ein Muskelziehen im Po linksseitig hinzu und bei weiterer Überbelastung ziehen die Muskelschmerzen bis in die Vorderseite des linken Oberschenkels zum Knie herunter.

Anfang März versuche ich meine kleine Tochter beim Hinfallen aufzufangen und verhebe mich. Am nächsten Tag kann ich mich kaum noch bewegen. Starke Skoliose. Mein Hausarzt gibt mir zunächst eine Musterpackung mit 5 Tabletten Viox 50 und innerhalb von 2 Stunden bin ich komplett schmerzfrei ohne wesentliche Nebenwirkungen.

Am nächsten Tag sind die Schmerzen wieder da. Ich kann sehr gut liegen und auch schmerzfrei sitzen. Aber das Aufstehen aus dem Stuhl dauert und ist mit starken Schmerzen verbunden. Gehen oder Stehen geht nur für max. 10 min, danach fangen die Beine - vorzugsweise links - an zu zittern und ich merke, wie die Kraft in den Beinen rapide nach lässt. Alle Bewegungen in der LWS tun höllisch weh, trotz Schmerzmitteln. Auch Teufelskralle springt nicht an.

Am 27.03.2002 MRT zeigt ein weiteres, großes Herausquellen des BSV L4/L5 linksseitig. Der Orthopäde sagt, es ist nun Zeit zu operieren. Er schlägt eine PLIF-Prothese vor. Das ist eigentlich keine Prothese, sondern eine bestimmte Versteifungstechnik. Mache ich nur, wenn es gar nicht mehr anders geht. Vorher werde ich lieber Versuchskaninchen für Endoprothesen !

15.04. Meine Physiotherapeutin ist genial: Die Schmerzen sind deutlich weniger geworden. Nur Stehen/gehen bereitet noch Probleme, Aufstehen aus dem Sitzen geht problemlos. Keine Schmerzmittel mehr nötig.

Am 02.05. Vorstellung im Klinikum Großhadern. Mit viel Geduld erreiche ich den ltd. Oberarzt Dr. Pfahler. Wir verbleiben, dass eine aktuelle neurologische Untersuchung gemacht wird und ich mich mit dem Ergebnis wieder bei ihm melde. Dann ggf. 2 Tage stationär für Diskografie und weitere Untersuchungen.

Neurologische Untersuchung zeigt dann Großzeheheberparese und Muskelfibrilationen durch Kompression auf L5-Nervenwurzel, also Bandscheibe L4/L5. Ich bin nahezu schmerzfrei, solange ich nicht länger als 20 min stehe oder 45 min gehe. Ich hoffe, diese Zeiträume mittels meiner sehr guten KG weiter ausbauen zu können und dann im Herbst mit leichtem Gerätetraining beginnen zu können. Alternativ mache ich mich derzeit schlau, was es im Internet in bezug auf künstliche Bandscheiben gibt. Eine Linkliste zu diesem Thema hatte ich bereits ins Forum gestellt.

Jetzt im November 2002 bin ich leider noch nicht ganz soweit, wie ich es mir vorgenommen hatte. Aber die Schmerzen habe ich immer noch ohne Schmerzmittel nur durch Physiotherapie im Griff. Ich plane jetzt im Dezember mit leichtem Muskelaufbau zu beginnen. Mal schauen, ob es zeitlich so hinhaut

Stand: November 2002