Bandscheiben-Forum

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> Infothread - Who Stufenschema, Schmerztherapie und Medikamente
Eisvogelsche
Geschrieben am: 13 Jan 2010, 10:34


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Hallo zusammen,

nach etwas längerer " Bauzeit " des Threades, habe ich ihn nun soweit fertig und hoffe ihr könnt hier einige Tipps für Euch mitnehmen :).


Als Schmerzpatient ist es wichtig, dafür einen Ansprechpartner zu haben, den spziellen Schmerztherapeuten ( sind auch oft noch als Anästhesisten tätig ) oder den Neurochirurgen an zweiter Stelle.

Ich bin z.B. kein Freund davon, wenn man sich Opioide der Stufe 3 vom HA verschreiben lässt, denn erstens ist es oft ne Budgetfrage, denn das Zeug kostet mal eben 100 Euro und mehr und oft wissen die Ärzte gar nicht was die Kollegen noch alles verordnet haben. Wundere mich auch wenn manche Hausärzte nach Operationen Diclo oder Ibu verschreiben, aber es ist eben billig und ne 20iger Packung kostet ihn nur zwischen 10 und 15 € und der Magen macht irgendwann plöpp.

Stundenweise Tilidin oder Tramal als Tropfen in sich rein zu schütten kann keine Lösung sein, brutal gesagt und die Abhängigkeit steigt dadurch enorm und die Leber und Nieren freuen sich ebenfalls.

Sicherlich muss jeder mehr oder weniger Medikamente schlucken, doch wissen wirklich alle behandelnden Ärzte was man alles nimmt ?!

Oft wird auch geklagt das die Schmerzen nur wenige Stunden verschwunden sind und dann wieder zunehmen und die Medikation besteht aus Dragees, Tropfen oder normalen Filmtabletten. Eine richtige Einstellung auf Schmerzmittel kann eigentlich nur funktionieren, wenn Schmerzmittel regelmässig angewendet werden und über einen längeren Zeitraum.

Im Prinzip, so sagte auch mein Schmerzdoc, gibt man ein Hauptmittel retardiert, was über 24 Stunden hält, zur Zeit gibts da die Jurnista ( Morphinpräparat ) und eben andere retardierte Mittel die alle 12 Stunden eingenommen werden müssen und eben den Wirkstoff in kleinen Mengen über den Tag verteilt abgeben.

Viele nehmen Tropfen oder Tabletten, wenn der Schmerz eintritt oder schon unerträglich ist und dann wird es schwierig und man versucht immer höher zu dosieren. Zusätzlich, wenn die Medikation des Hauptmittels nicht ausreicht, ist es sinnvoll ein zweites Analgetika zu geben, was gegen diese Schmerzspitzen hilft. Dieses können auch Tropfen sein z.B. Tramal oder Novalgin.

Ich persönlich finde es wichtig, sich grundsätzlich überweisen zu lassen und das am besten immer vom Hausarzt, denn dann hat man auch alle Befunde etc. an einer Stelle, wenn man zu anderen Fachärzten muss und der Hausarzt ist immer im Bilde.

Ich z.B. lasse mir alle Befunde und Laborberichte kopieren und habe sie daheim. MRT und CT und Röntgen ebenfalls, denn so habe ich alles zur Hand, wenn ich zum, Spezialisten muss.

Was ich auch ganz wichtig finde, ist die Führung eines regelmässigen Schmerztagebuches. Denn da steht alles genau drin und der Schmerzdoc hat genaue Anhaltspunkte und jeder andere Arzt auch, welche Medikamente ich wann und wofür nehme und was ich für eventuelle Nebenwirkungen habe.

Ein einfaches Schmerztagebuch kann man hier im Forum downloaden -->> Klick

Was ich ausserdem wichtig finde, so mache ich es auch -->> Habe mir im Excel eine Liste mit meinen Medikamenten angelegt, wo eben draufsteht was ich nehme ( Präparat und Dosis ) und wann ich es nehme.

Ist immer praktisch wenn man den Arzt wechselt oder überwiesen wird und viele nicht genau wissen was und wieviel, einfach die Liste auf den Tisch beim Doc und der kann sie sich für die Akte kopieren und hat nen Überblick.

Als Letztes vielleicht noch, da wir ja alle Schmerzpatienten sind irgendwo, einen Opiatausweis anschaffen. Die Ausweise gibts bei den Ärzten, Online und in Apotheken. Vom Arzt ausfüllen lassen und mit sich führen, denn bei der nächsten Polizeikontrolle kann es u.U. Probleme geben, denn nen Drug Test leuchtet dann in allen Farben.


Hier für Euch einige Informationen zum WHO Stufenschema

Stufe 1 ( leichte Schmerzen )
· Einsatz Nichtsteroidaler Antiphlogistika (NSAID oder NSAR wie z.B. Paracetamol oder Metamizol)
· Einnahme nicht länger als drei Monate - Grund: Bei dauerhaftem Gebrauch können sie die Nieren schädigen.
· Bei nicht ausreichender Wirkung: Kombination mit Medikamenten der Stufe 2

Stufe 2 ( mittelstarke Schmerzen )
· Einsatz morphinähnlicher Substanzen, z.B. Tramal, Tilidin
· Kombination mit Medikamenten der Stufe 1 verbessert Schmerzlinderung, weil die Substanzen verschiedene Wirkmechanismen haben
Opioide entsprechen körpereigenen Endorphinen und sorgen für eine geringere Schmerzwahrnehmung. Sie sollten regelmässig eingenommen werden, damit ein genügend hoher Wirkspiegel im Blut erreicht wird.


Stufe 3 ( starke Schmerzen )
· Einsatz starker Opioide (nur bei stärksten Schmerzen)
· Häufig verwendete Substanzen sind Morphin , Oxycodon und Fentanyl
· Auch sie führen zu Beschwerden im Magen-Darm-Trakt
Opioide wie Morphium machen nicht zwingend süchtig. Bei richtiger Anwendung und Dosierung ist eine Opiatabhängigkeit nahezu ausgeschlossen. Am Ende der Behandlung ist lediglich eine langsame Verringerung der Dosis ( Ausschleichen ) notwendig, um den Körper an die Umstellung zu gewöhnen.

Zusätzlich können bei bestimmten Schmerzformen weitere Medikamente gegeben werden, z.B. entkrampfende Mittel. Bestimmte Antidepressiva haben völlig unabhängig von ihrer stimmungsaufhellenden Wirkung eine sehr gute schmerzlindernde Komponente.
Eine weitere Gruppe von Mitteln gegen Dauerschmerzen stammt aus der Gruppe der Anti-Epileptika. Vor allem gegen Nervenschmerzen ( Neuralgien ) haben sich Wirkstoffe wie Carbamezepin, Gabapentin oder Pregabalin bewährt.

Opioide Schmerzmittel

Opioide Schmerzmittel, die auch als Opioide bezeichnet werden, sind die potentesten Schmerzmittel überhaupt. Sie kommen bei mittelstarken bis starken Schmerzen zum Einsatz, wenn andere Analgetika allein nicht mehr helfen. Zu diesen starken bis sehr starken Schmerzen gehören Tumor-, Nerven- und Kolikschmerzen, Schmerzen im Rahmen von Operationen oder unfallbedingte Schmerzen. Die Opioide werden aber auch bei starken Schmerzen, die den Bewegungsapparat betreffen, eingesetzt. Dies kann beispielsweise bei einer Arthrose, Osteoporose oder schweren Rheumaerkrankungen sein.

Die Opioide werden auf Grund ihrer schmerzstillenden Wirkung unterschieden. Als Bezugsgröße dient dabei das Morphin. Die schwachen Opioide sind die Schmerzmittel der Stufe 2 des WHO-Stufenplans. Sie wirken schwächer als Morphin. Zu diesen Substanzen gehören Tilidin, Tramadol, Kodein, Dihydrokodein und Dextropropoxyphen. Die starken Opioide stehen auf Stufe 3 des WHO-Stufenplans und wirken in unterschiedlichem Maße stärker als Morphin. Zu diesen Mitteln gehören Oxycodon (doppelt so stark wie Morphin), Hydromorphon (7,5mal stärker), Fentanyl (100mal stärker) und Buprenorphin (100mal stärker).

Wirkungsweise der Opioide

Der menschliche Körper besitzt ein schmerzhemmendes System, das die Schmerzempfindungen dämpft. Dieses System sitzt hauptsächlich im Gehirn und im Rückenmark, aber auch im peripheren Nervensystem und den peripheren Organen. Überall dort finden sich so genannte Opioidrezeptoren, die im Falle der Anbindung spezieller Substanzen (natürlich: Endorphine; medikamentös: Morphine) die eintreffenden Schmerzsignale unterdrücken. Im Falle von körperlichem oder seelischem Stress schüttet das Gehirn körpereigene Substanzen, die so genannten Endorphine und Enkephaline, aus, die sich an die Opioidrezeptoren binden. Somit wird das Schmerzempfinden weitestgehend ausgeschaltet. Dieses körpereigene Schmerzhemmsystem hat die Funktion, eine lähmende Schmerzreaktion zunächst zu unterbinden, um auf akute Gefahren reagieren zu können. Dieser Mechanismus erklärt, dass beispielsweise Sportler Verletzungen während des Wettkampfes oft nicht wahrnehmen, sondern erst nach dessen Beendigung. Wie gut dieses Schmerzhemmsystem funktioniert, ist individuell verschieden und wird als Hauptgrund für die unterschiedliche Schmerzempfindlichkeit der Menschen angesehen.

An den Opioidrezeptoren binden die Opioide und wirken daher schmerzstillend. Die Stärke der schmerzstillenden Wirkung der Opioide hängt von der Art des Opioidrezeptors ab, an den sich das Opioid bindet. Neben der Rezeptorart ist auch die Wirkung des Opioid auf den Rezeptor für die schmerzstillende Wirkung wichtig. Die Opioidrezeptoren werden mit griechischen Buchstaben bezeichnet: µ (Mü), (Kappa), (Delta) und (Sigma). Die meisten Opioide entfalten ihre Wirkung am µ-Rezeptor.

Wirkung und Nebenwirkungen der Opioide

Die typischen Wirkungen der Opioide sind: Schmerzunterdrückung, Dämpfung der Atmung, Temperaturerhöhung, Herzschlagverlangsamung, Stimmungsaufhellung (euphorisierende Wirkung) und Pupillenverengung. Opioide lähmen auch die Darmmuskulatur, wodurch es zu Verstopfungen kommt. Die Medikamente dämpfen also den Organismus insgesamt.

Außer den genannten Nebenwirkungen können die opioiden Schmerzmittel auch noch weitere unerwünschte Wirkungen zeigen. Dies sind im Einzelnen: Blutdruckabfall, erschwerte Blasenentleerung, Hautrötungen, Nesselsucht, bei Asthmatikern Atembeschwerden, Verschluss der Gallenwege. Typisch sind zu Beginn der Behandlung auch Übelkeit und Erbrechen, die sich aber im Laufe der Behandlung meist legen.

Unerwünschte Nebenwirkungen auf das Zentralnervensystem können sein: Schwindel (Buprenorphin), Verwirrtheit, Sedierung (allgemeine Dämpfung), Angstzustände (Fentanyl), Angstzustände (Oxycodon), Euphorie, Verwirrtheit und Halluzinationen (Morphin).

Aus den Nebenwirkungen geht hervor, dass die Verabreichung der Opioide ein besonderes Risiko für Patienten mit Atemfunktionsstörungen darstellt, da sie dämpfend auf das Atemzentrum wirken. Den Effekt macht man sich jedoch bei Hustenstillern zu Nutze, die Codein enthalten.

Behandlung

Die Behandlung mit Opioiden muss auf jeden Fall ein Arzt ( am besten ein spez. Schmerztherapeut ) durchführen. Aus verschiedenen Daten, wie der Art der Erkrankung, dem Alter und Gewicht des Patienten sowie der empfundenen Schmerzstärke, ermittelt der behandelnde Mediziner die Dosis, die Art und die Verabreichungsform des Medikaments. Auch die Einnahme und die Anwendung der Opioide werden vom Arzt begleitet. Unerwünschte Nebenwirkungen der Präparate, wie Übelkeit, Erbrechen oder Verstopfung, werden gleich medikamentös mitbehandelt.

Bei der Dosisfindung versucht man so viel Wirkstoff wie nötig, aber so wenig wie möglich einzusetzen. Diese Schmerzmittel werden kontinuierlich nach einem bestimmten Schema verabreicht und nicht wie die nicht-opioiden Schmerzmittel nach Bedarf.

Die Suchtgefahr ist bei ordnungsgemäßer Anwendung und unter strenger ärztlicher Kontrolle gering. Die Mittel werden auch nur so hoch dosiert, bis der schmerzstillende Effekt eintritt und nicht bis zu euphorischen Zuständen.

Die Verordnung von starken Opioiden unterliegt dem Betäubungsmittelgesetzt und erfolgt über so genannte BTM-Rezepte.

Schmerzmedikamente richtig einnehmen

Wenn bei der Schmerzbehandlung und der Einnahme von Schmerzmitteln einige Grundregeln beherzigt werden, lässt sich der Schmerz noch besser in Schach halten.

Wichtig: Regelmäßig nach der Uhr - lang wirksame Medikamente

Schmerzen müssen konsequent bekämpft werden: Bevor die Wirkung eines Schmerzmittels nachlässt, muss bereits die nächste Tablette eingenommen werden. Bei chronischen Schmerzen sollten daher auch bevorzugt lang wirksame, so genannte retardierte Schmerzmittel zum Einsatz kommen - am besten immer zu festgelegten Uhrzeiten, rund um die Uhr!
Nehmen Sie Tabletten nicht erst dann ein, wenn Sie bereits wieder Schmerzen spüren! Denn so "erlernt" Ihr Nervensystem die Schmerzen und reagiert immer stärker darauf. Um die gleiche Wirkung zu erzielen, ist unter dem Strich mehr Schmerzmittel erforderlich als bei der Einnahme nach der Uhr. Damit steigt die Gefahr von Nebenwirkungen und Unverträglichkeiten.

Besser: Medikamente schlucken !

Zu bevorzugen ist der einfachste Weg der Einnahme, sprich die Aufnahme durch den Mund. Geeignete lang wirksame Schmerzmittel müssen ein- bis zweimal täglich eingenommen werden. Sie liegen in verschiedenen Wirkstärken vor, so dass jeder Schmerzkranke die genau für ihn passende Menge Schmerzmittel erhält. Die Einnahme von Tropfen eignet sich zu Beginn der Behandlung besonders gut, da sich mit ihnen fast stufenlos die richtige Dosis ermitteln lässt.

Sind Schmerzpflaster sinnvoll ?


Nur in Ausnahmesituationen, z. B. wenn Patienten Medikamente nicht schlucken können, sind Schmerzpflaster sinnvoll. Das Pflaster erlaubt nämlich nur sehr große Dosissprünge. Zudem verändert sich die Aufnahme der Wirksubstanz bei Schwitzen oder Fieber oft erheblich, sodass leicht gefährliche Über- oder schmerzhafte Unterdosierungen auftreten können. Ein einziges Schmerzpflaster reicht zwar für mehrere Tage, aber gerade diese extrem lange Wirkdauer erschwert bei Schmerzspitzen eine variable Dosierung.
Schmerztagebuch - so unterstützen Sie Ihren Arzt

Ihr Arzt benötigt eine gewissen Zeit, bis er die für Sie richtige Menge an Schmerzmittel herausgefunden hat. Sie erleichtern ihm die Einstellung, wenn Sie ein Tagebuch über Ihre Schmerzen führen. Nur mit Hilfe dieses Tagebuchs kann Ihr Arzt beurteilen, wann, wo und wie lange Sie Schmerzen haben. Vielleicht stellen Sie dann z. B. fest, dass Ihre Schmerzen nur dann auftreten, wenn Sie sich bewegen, Sie jedoch nachts gut schlafen. Die Konsequenz: Sie benötigen mitunter nachts keine Schmerzmittel. Dagegen brauchen Sie evtl. mehr Schmerzmittel für die Krankengymnastik oder den Sport.

Stimmungsaufheller als Schmerzmittel ?

Patienten mit Krebsschmerzen, die gerade nachts durch quälende Schmerzattacken gepeinigt werden, benötigen sogar mehr Schmerzmittel zur Nacht, mitunter in Kombination mit einem Stimmungsaufheller. Schmerzexperten setzen solche Antidepressiva gerne zusammen mit anderen Schmerzmitteln ein, da sie neben ihrer stimmungsaufhellenden Wirkung den Schlaf fördern und zugleich selbst direkt Schmerzen zu lindern vermögen.
Mit schnell wirksamen Tropfen gegen Schmerzspitzen
Dank der retardierten Opioide sind schnell wirksame Opioide nur bei krisenhaften Schmerzspitzen zusätzlich einzunehmen. Sie bieten den Vorteil, dass sie schneller wirken, allerdings lässt die Schmerzlinderung in wenigen Stunden bereits wieder nach. Schnell wirksame Präparate lindern Akutschmerzen rasch, ohne dass die Grundeinstellung mit einem Retardpräparat verändert werden muss. Treten diese Schmerzspitzen regelmäßig auf, sollte allerdings das Dauermedikament dem erhöhten Bedarf angepasst werden.
Oft ist es sinnvoll, den gleichen Wirkstoff wie bei der Dauermedikation einzusetzen, da sich der Körper an das Medikament gewöhnt hat und meist ohne Nebenwirkungen verträgt. Von der Einnahme schnell wirksamer Opioide über einen längeren Zeitraum ist nicht zuletzt wegen der erhöhten Suchtgefahr abzuraten.

Keine Suchtgefahr bei Einnahme lang wirksamer Opioide.

Mit manchen Opioiden, die z. B. von Drogenabhängigen in die Blutbahn gespritzt werden, lassen sich rasch hohe Wirkspiegel im Blut erzielen. So kann sich eine psychische Abhängigkeit entwickeln. Dagegen besteht bei retardierten Substanzen, die über den Mund verabreicht werden, diese Gefahr nicht mehr. Der Wirkstoff wird verzögert freigesetzt, seine Konzentration im Blut nimmt nur langsam zu. Ängste vor psychischer Abhängigkeit sind daher unbegründet, wenn die Präparate nach den ärztlichen Empfehlungen eingenommen werden.
Was tun, wenn die Schmerzen zunehmen?
Nehmen die Schmerzen zu, kann die Dosis des lang wirksamen Opioids erhöht werden oder auf stärker wirksame Präparate gewechselt werden. Genügt auch das nicht, können über eine Pumpe und einen dünnen Katheter, der in das Gehirn-Rückenmarkswasser mündet, kontinuierlich hohe Konzentrationen des Opioids in das zentrale Nervensystem eingebracht werden.

Quellen: Schmerzliga und Schmerztipps

Hier noch einige interessante Links -->>

Opioide Schmerzmittel

Neues zum Schmerzgedächtnis

Löschung des Schmerzgedächtnisses

Infos zum WHO Stufenschema Schmerztherapie

Wechselwirkungs Check Eurer Medikamente

Schmerz Tipps

Neuro 24 zum Thema Schmerzen


Wünsche Euch Alles Gute und Gute Besserung und denkt daran, auch die Schmerztherapie ist nur eine Ergänzung zur Verbesserung der Lebensqualität :up.

Wer Tipps und notwendige Ergänzungen hat kann diese ja gerne hier mit einfügen :).

Bearbeitet von Eisvogelsche am 13 Jan 2010, 11:13
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Süßnase
Geschrieben am: 13 Jan 2010, 16:02


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WOW

Das hast Du richtig toll aufgeschrieben!!!

...

Ergänzen möchte ich meine eigenen Erfahrungen, die nun schon sieben Jahre dauern: Ich nehme Jurnista 32 alle 17-19 h, bin in einer Schmerzambulanz in Behandlung und für mich ist es gut, dass ich eben kein Schmerztagebuch führe....Ich werde sonst dauernd daran erinnert. Ohne komm ich viel besser klar!
Jurnista ist bisher das beste Medikament für mich!
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Acki
Geschrieben am: 13 Jan 2010, 18:51


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:; Andreas....

Vielen lieben Dank.


Bin etwas sprachlos.

Liebe Grüße,
die Acki
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Bandiwrack
Geschrieben am: 13 Jan 2010, 22:14


Stammgast
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Hey!
Echt super! So was habe ich schon immer gesucht!
Vielen lieben dank, du bist mein Held! :s :up

lg, Manu
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Eisvogelsche
Geschrieben am: 18 Jan 2010, 10:01


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Hallo,

möchte auch hier noch einen sehr guten Link unterbringen wo es um Folgendes geht -->>

Regeln der Analgetikatherapie
Bei chronischen Schmerzen sind Medikamente der Grundpfeiler jeder Therapie. Dennoch sind viele Patienten unterversorgt.

WHO-Stufenschema
Das für Tumorpatienten entwickelte Schema hat sich auch für andere Schmerzerkrankungen in der täglichen Praxis bewährt.

Betäubungsmittelverordnung
Veränderungen der BtMVV seit dem 01.02.98 erleichtern die Verordnung von Opioiden.

Opioide in der Schmerztherapie
Unerläßlich für Menschen mit chronischen Schmerzen - Opioide. Hier finden Sie eine ausführliche Darstellung der Möglichkeiten.

Wie Medikamente wirken
Kurze Erklärung von Medikamentengruppen und ihre Wirkungen auf den Körper.

Medikamentöse Therapie bei Migräne
Nach einem Überblick über Ursachen und Symptome werden detailliert medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten beschrieben.

Antidepressiva als Schmerzmittel
Schmerzen machen depressiv und Depressionen können Schmerzen verursachen. Hier wird gezeigt, wie Antidepressiva als Schmerzmittel unterstützend eingesetzt werden können.

Medikamentöse Behandlung bei Kindern
Kinder sollten nie ohne ärztliche Anordnung mit Schmerzmedikamenten behandelt werden. Hier erfahren Sie, warum das wichtig ist, und worauf Eltern achten sollten.

Schmerzpflaster
Langanhaltende Wirksamkeit über drei Tage ist das Plus des Schmerzpflasters.

Rückenschmerzen und Medikamente
Rückenschmerzen haben nicht nur organische Ursachen.

Link -->> Rückenschmerzen und Schmerztherapie

Bearbeitet von Eisvogelsche am 18 Jan 2010, 10:03
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Ave
Geschrieben am: 19 Jan 2010, 02:07


Querulantin aus Überzeugung
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Hallo

Ich möchte noch etwas zum Thema Schmerz und Schmerztherapie hinzufügen:

Schmerz ist normalerweise ein Warnsignal des Körpers, das etwas nicht in Ordnung ist. Für uns Bandis ist aber wichtig, dass dieser Schmerz so gut es geht ausgeschaltet wird, um zu verhindern, dass der Schmerz nach einiger Zeit seine Funktion als Warnsignal verliert und chronisch wird, sprich zu einer eigenständigen Krankheit. Bei chronischem Schmerz entwickelt der Körper ein Schmerzgedächtnis und chronischer Schmerz muss von Fachärzten therapiert werden, nämlich von Schmerztherapeuten.
Dies sind Ärzte, die eine Zusatzausbildung gemacht haben, nämlich die der "SPEZIELLEN Schmerztherapie".

Oftmals sind diese Ärzte für spezielle Schmerztherapie Fachärzte für Anästhesie (das sind meist die besten), aber auch Neurochirurgen, Orthopäden und
sogar Psychologen (Edit BT chrissi : nur mit ärztlicher Ausbildung, weil Psychologen sonst keine Medikamente verteilen dürfen))
finden sich darunter.

Wichtig ist, den Leuten klar vor Augen zu führen, dass eine GUTE Schmerztherapie mehr als nur Medikamente enthalten muss!
Eine multimodale Schmerztherapie umfasst folgendes:

(1)Medikamente in Form von Tropfen, Tabletten, Infusionen, Infiltrationen/Spritzen sind ein wichtiger Bestandteil der Schmerztherapie, denn dadurch steigt durch die Schmerzlinderung zum einen die Lebensqualität, zum anderen ermöglicht die Schmerzlinderung vielen Schmerzpatienten erst die Teilnahme am

(2)zweiten Baustein der speziellen Schmerztherapie: Physiotherapie und Bewegung!
Entgegen der Schonung bei akutem Schmerz ist regelmäßige Bewegung bei chronischem Schmerz ein absolutes Muss!


(3)Der dritte Baustein ist m. E. der Wichtigste: Durch Anleitung zu erlernen, wie man mit dem chron. Schmerz im Alltag zurecht kommt.
Dies beinhaltet zu Anfang erst einmal, dass der Patient sich und sein Schmerzverhalten beobachten und analysieren muss - im Klartext: Zu wissen, wie sich der Schmerz im Ruhezustand verhält, bei welchen Tätigkeiten/Bewegungen/Streßsituationen (körperlich und seelisch) der Schmerzlevel ansteigt usw.
Das ist Schmerzverhalten und Schmerzanalyse. Wenn man diese beiden kennt, dann kommt sozusagen die "Königsdisziplin" Schmerzbewältigung.

Die Schmerzbewältigung umfasst viele Bereiche und ist sehr individuell. Ziel der Schmerzbewältigung ist, den Fokus weg vom Schmerz zu bekommen und auf positive und angenehme Sachen/Betätigungen zu richten.
Schmerzbewältigung sollte beinhalten:

- seinen Alltagso zu organisieren, dass sich Aktivität und Schonung ausgleichen; lernen, aufzuhören, BEVOR der Schmerzpegel ansteigt und eine Pause einlegen. Diesen schmerzarmen Alltag zu organisieren ist eine schwierige Sache, aber nicht unlösbar

- Entspannungstechniken (wie z. B. die progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Atemübungen aus dem Qui Gong etc)

- Abbau von psychischem Druck (sinnvoll zur Schmerztherapie ist eine psychologische Begleitung, denn Schmerz und Psyche sind eng miteinander verbunden - d. h. nicht, dass man sich den Schmerz einbildet, vielmehr ist es so, dass der ständige Schmerz an der Psyche nagt und dass psychischer Stress die Schmerzwahrnehmung verstärkt)

- Erhalt von sozialen Kontakten

- "Beschäftigungstherapie", um angenehme Dinge zu fokussieren wie z. B. Malen, Musikhören, Lesen oder die Konzentration auf Dinge die einem Spaß machen oder für die man sich interessiert

- sich "Inseln" im Alltag schaffen, wo man sich eine Auszeit nimmt, sich etwas Schönes gönnt (ein Bad bei Kerzenschein und Musik, ein neues Kleid, eine neue Cd etc). Wichtig ist, dass man hierbei auch egoistisch sein darf, nein sogar muss - und wenn es zwischendurch nur immer nur 5 min sind, die man nur für sich alleine hat, wo man "runterkommt", sich entspannt, sich wegträumt
(Noch eine kleine Anmerkung: Verlernt das Lachen nicht! Wenn ihr auf der "Insel" seid, dann sollte es für euch so schön sein, dass es euch wenigstens ein Lächeln aufs Gesicht zaubert :sonne )



Wie erkenne ich einen guten Schmerztherapeuten:

- er setzt nicht nur auf Medikamente, sondern auf multimodale Schmerztherapie
- er nimmt sich bei jedem Termin Zeit
- ausführliche Gespräche, nicht nur was die Beschwerden angeht, sondern auch, was der Patient zur Schmerzbewältung macht
- regelmäßige Termine (mind 1 x im Monat!)
- bei Bedarf schließt er sich mit anderen behandelnden Ärzten kurz




Und nicht vergessen:

Eine Schmerztherapie kann nur erfolgreich sein, wenn der Patient kooperativ und motiviert ist!


Bearbeitet von chrissi40 am 15 Mai 2010, 10:53
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