Bandscheiben-Forum

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> 2 Jahre nach der OP Bandscheibenvorfall LWS, Ein Bericht als Mutmacher
Andreas68
Geschrieben am: 04 Mär 2018, 20:59


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Hallo, ich berichte hier über meine Bandscheiben OP. Ich wurde im Februar 2016, also vor 2 Jahren im Alter von 48 Jahren im Lendenwirbelbereich an der Bandscheibe operiert. Ich bin bisher schmerzfrei und gehe einem geregelten Tagesablauf nach, direkt nach der OP brauchte ich keinerlei Schmerzmittel mehr.
Dies ist ein positiver Bericht, der Mut machen soll, so wie vor 2 Jahren auch die positiven Berichte mir Mut machten.
Schmerzfrei bedeutet natürlich, dass ich trotz allem hier und da noch meinen Rücken merke. Gerade, wenn ich nicht auf mich achte und dann doch zwei Kisten Wasser tragen muss. Ich muss aber keine Schmerzmittel nehmen. Ich habe keine ausstrahlenden Schmerzen und kann meine Schuhe anziehen 😉. Heute definiere ich Rückenschmerzen auch deutlich anders.
Ich glaube, dass es mir jetzt besser geht, liegt auch daran, dass ich nach über 25 Jahren Rückenerfahrung nun konsequent jeden Morgen 15 min meine Rückenübungen mache.
Dies ist die kurze Zusammenfassung. Kopf hoch, hört nicht auf die Horrornachrichten, die einen nur runterziehen. Unten beschreibe ich meinen „Werdegang“, vielleicht findet Ihr Euch wieder und seht, es kann wieder besser werden.

Es begann so ca. 6 Monate (Oktober 2015) vor der OP. Ich kannte Rückenschmerzen. Hin und wieder hatte ich auch einen Hexenschuss. Der legte mich dann für 1 Woche flach und nach meist 3 Wochen war wieder alles „gut“. Diesmal war es aber eindeutig anders. Ich hatte anfänglich zwar auch „nur“ die üblichen Symptome, wie einen stechenden Schmerz bei „falschen“ Bewegungen, Schonhaltung, Schmerzen beim Liegen, beim Sitzen … nix geht wirklich gut. Mein Hausarzt (mit dem ich sehr zufrieden bin – immer noch) hat dann Wärmebehandlungen gemacht und Spritzen gegeben. Zudem ein bisschen Schmerzmittel (ibu).
Ich bin selbstständig, was das anfänglich etwas einfacher gestaltet, mit zunehmenden Ausfall finanziell jedoch nicht wirklich lustig ist. Weil man das auch immer liest: ich bin gesetzlich versichert.
Was habe ich noch alles gemacht? Ich war beim Masseur 12x, hatte manuelle Therapie (das ist sonst echt gut), war bei zwei unterschiedlichen Osteopath*innen (auch ein super Ansatz) – es wurde aber nicht besser. Mittlerweile war Anfang Dezember und ich war mittlerweile bei einem Orthopäden.
Mein Schmerzmittel verbrauch war erschreckend hoch. Alle 8 Stunden 800 ibu (2.400 am Tag), für die Nacht bis zu 150mg Tilidin. Ich hatte teilweise deutliches Suchtverhalten, dass ich genau geplant habe, wann ich wieder eine Tablette nehmen konnte – schöne Grüße an die Nieren.
Die Schmerzen waren mittlerweile so groß, dass ich nachts nur 2 Stunden schlafen konnte. Die Schmerzen strahlten massiv in das linke Bein. Ich bin dann wie ein Zombie in der Wohnung oder nachts auch draußen rumgelaufen, na ja gehinkt – Ihr kennt das sicher. Die Schmerzen haben mich verzweifeln lassen.
Ein MRT zeigt dann einen deutlichen Bandscheibenvorfall. Bei mir hat das auch gestimmt. Jedoch musste ich feststellen, dass nach der Bild gebenden Analyse alle beteiligten nur noch auf den Bandscheibenvorfall schauen – obwohl keine weiß ob ich den nicht schon länger hatte. Es war Mitte Dezember.
Dann habe ich so genannte Sprechstunden in Krankenhäusern besucht. Ich wohne im Ballungsraum Düsseldorf/Ruhrgebiet, ich hatte etwas Auswahl. Beide Krankenhäuser wurden auf mein Nachfragen von meinem Arzt erwähnt. Selber Auto fahren ging schon lange nicht mehr.
Ich habe mich für zwei unterschiedliche Operationsverfahren entschieden. Wahrscheinlich haben die besondere Begriffe, ich erkläre es so, wie ich es verstanden habe.
Krankenhaus A) hat einen guten Ruf bei einem endoskopischen Verfahren. Hier war es eine sehr gut organisierte Massenabfertigung. Bei der Sprechstunde für orthopädische Fälle waren bestimmt 100 Personen. Nach einer Stunde anstehen und warten hatte ich einen Arzt. Der Arzt hat sich Zeit genommen. Die letzte Frage war: Haben Sie noch Fragen?“ Super, Danke dafür. Ich hatte mittlerweile hebe und senk Schwierigkeiten im linken Fuß und die Schmerzen waren noch da, unverändert. Da ich mich noch nicht einnässe, hat er nicht zwingend zu einer OP geraten. Sie hätten mich aber auf meinen Wunsch hin operiert. Ich denke, dass hat auch versicherungstechnische Gründe.
Krankenhaus B) hat einen guten Ruf im mikroskopischen Verfahren. Hier bekam ich einen Termin und musste nicht lange warten. Auch diese Ärztin hatte viel Zeit für mich. Auch ihre letzte Frage war, ob ich noch eine Frage hätte. Auch Sie hat nicht zwingende zu einer OP gedrängt.
Ich hatte mich dann für das mikroskopische Verfahren entschieden. Der Schnitt ist zwar etwas größer, aber das Verfahren erschien mir aus meine laienhaften Sicht doch sicherer, da der/die Chirog/-in einen besseren Überblick hat und vielleicht noch anders handeln kann.
Den OP-Termin hatte ich dann Mitte Februar. Mittlerweile war ich nicht mehr zu gebrauchen, so zumindest beschrieb meine Familie meinen Zustand. Schlafentzug, ständig auf Drogen, Bewegungsunfähigkeit sind nicht gut für die Psyche. Hinzu kommt die mangelnde Einsatzfähigkeit im Beruf. Ich habe mich für eine OP entschieden, weil ich in meinen Augen (so auch mein Orthopäde) alle Alternativen versucht habe und keine Besserung eintrat. Der Leidensdruck war ausreichend groß um diese Entscheidung gemeinsam mit meiner Frau zu treffen.
Die OP verlief sehr gut. Ich konnte noch am selben Tag vorsichtig aufstehen. Die Schmerzen waren unmittelbar nach der OP weg. Ich brauchte keine Schmerzmittel mehr. In der ersten Nacht hatte ich leichte Entzugserscheinungen vom Tilidin (Unruhe). Am vierten Tag wurde ich entlassen.
Ich hatte keine Reha, da es keine halbtags Reha oder Reha ab 14:00 Uhr gab, habe ich eine Reha abgelehnt. Als Selbstständiger wollte ich nicht noch weitere 6 Wochen ohne Einkünfte überbrücken. Also habe ich mir einen sehr guten Physiotherapeuten gesucht und bin da Nachmittags dreimal die Woche hin – Muskelaufbau (Hat übrigens die gesetzliche Krankenkasse übernommen.)
Seither mache ich jeden Morgen 15 min Rückenübungen im Wohnzimmer auf einer Matte. Mir geht es prima! Ich war mit meiner Familie 3 Wochen campen und fahre Fahrrad. Nur mein Motorrad habe ich verkauft.
Die anfänglich ständige Angst, dass es wiederkommen kann, gerade wenn man morgens den Rücken deutlich merkt, hat mich dazu bewogen mit diesem Bericht zwei Jahre zu warten.
Wenn ich helfen konnte – freut es mich.
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