Bandscheiben-Forum

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> BSV L5/S1 mit Zehenheberparese im zweiten Anlauf, TENS oder EMS zur Nervheilung?
BJ86
Geschrieben am: 12 Nov 2018, 21:12


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Hallo zusammen,

Ich habe mich hier bei euch, weshalb wohl :h , wegen meinem BSV L5/S1 angemeldet. Ich heiße Benjamin, bin 31 Jahre jung und mich hat es Anfang August erwischt.

Kurze Historie:
Ich bin wenngleich ich schon immer einen Schreibtischjob habe und neuerdings viele Kilometer im Auto abspule (60tkm rein dienstlich pro Jahr) prinzipiell ein Mensch der oft Sport treibt:
- Krafttraining seit ich 16 bin (kein Bodybuilding) inklusive Rumpftraining
- Mountainbiken seit ich 12 bin
- Tennis von 9 bis 13 und nun mit 31 wieder von 0 auf 100 eingestiegen (was wohl auch der Grund für meinen Vorfall war)

Was ist passiert?
Im Urlaub habe ich die Zeit genutzt und in 2 Wochen jeweils circa 10 Einheiten Tennis und Krafttraining durchgeführt. Anfangs habe ich ein im kalten Zustand / nach dem Aufstehen lahmendes rechtes Bein wahrgenommen. Dies hat sich intensiviert bis ich eines Nachts nach dem Badezimmerbesuch beim Anziehen meiner Shorts einen fürchterlichen, stechenden Schmerz im rechten Bein hatte. Wie ein Krampf, bloß weitaus schlimmer. Ich stürzte zu Boden und war seit diesem Zeitpunkt 2 Tage vollkommen bewegungsunfähig / konnte nur liegen. Abgeholt wurde ich in der Nacht vom Krankenwagen per Tragetuch => die bisher schlimmsten Schmerzen meines Lebens. Wie sich später rausstellen sollte leider noch zu toppen... :klasch

Diagnose:
Bandscheibenvorfall L5/S1 mit starker Schmerzausstrahlung bis in den rechten Fuß. Zum Glück anfangs neurologisch alles ansteuerbar und funktionsfähig, lediglich der rechte Fuß hat die ersten 1,5 Wochen gekribbelt. Daher keine OP sondern konservative Orthopädie.
Positiv: Mein Vorfall wurde vom behandelten Arzt als "klein" eingestuft, der jedoch zu 100% den Nerv getroffen hat.

Verlauf:
2 Wochen Krankenhaus
Nachdem ich anfangs unmöglich aufstehen konnte ging es irgendwann im Krankenhaus los mit dem Rollator kleine Strecken zurückzulegen. Dies war jedoch eine mehr oder weniger große Quälerei die ersten 1,5 Wochen. In der ersten Woche konnte ich weder ohne Hilfe stehen, laufen noch sitzen. Daher war ich auch ziemlich happy dass ich aufgrund der Schmerzmittel nicht auf die Toilette musste, ich hätte schlicht nicht gewusst wie es gegangen wäre...

3 Wochen Reha:
In der Reha haben wir neben den Entspannungs- und Bewegungstherapien auch relativ früh mit ausführlichem Krafttraining begonnen. Kreuzheben, Kniebeugen und viele gute Stabilitätsübungen für den Rumpf und die Tiefenmuskulatur. Zu Beginn der Reha konnte ich nur kurze Wegstrecken ohne Gehhilfe laufen, nach dem 3 Wochen war ich auf meinen eigenen Beinen wieder vollständig mobil und bin zum Ende der Reha auch das erste mal wieder selbst Auto gefahren.

2 Rückschläge:
Nach circa 6,5 Wochen ging es mir wieder richtig gut. So gut, dass ich mit de Schlaghammer bewaffnet einen halben Tag auf der Leiter über Kopf einen Betonsturz weggestemmt habe (Wir haben ein Haus gekauft und sanieren seit circa 2 Jahren). Alles völlig schmerzfrei, das Erwachen kam dafür am nächsten Morgen. Überlastet, erneut entzündet und daher wieder Schmerzen im rechten Bein. Dies hat sich nach 4 Tagen sinnvoller Ruhe und Bewegung wieder gelegt.
Weitere 2 Wochen später habe ich mein Gewicht bei Kreuzheben von 40 auf 50kg erhöht. Ging beim ersten Mal gut, beim zweiten Mal (anderer Tag) dann plötzlich wieder ein Stechen im rechten Bein während der Übung. Erneuter Rückschlag der aber wieder nach 4 Tagen weitesgehend überwunden war.

Zweites Mal Krankenhaus:
Vorletzte Woche war wegen Feiertag und Urlaub viel Zeit vorhanden. Also fleißig und intensiv mein Fitnesstraining absolviert und im Haus etwas aufgeräumt. Nicht zu schwer gehoben, aber 3 Tage lang viel bewegt. Samstag Abend wollte ich mich dann vorm Schlafen nochmal mobilisieren und habe nach der Übung wieder starke Schmerzen gespürt. Samstag Nacht arg gelitten und Sonntags kaum aus dem Bett gekommen bis wir Mittags die bittere Entscheidung getroffen haben: Krankenhaus. Also wieder vom Krankenwagen abgeholt. Und nun sollte ich lernen was Schmerzen wirklich bedeuten. Trotz Gabe von Dipidolor als Infusion hatte ich unglaubliche Schmerzen und musste mir beim Röntgen den Schmerz von der Seele schreien. Nachts kam ich kaum zum Schlafen bis ich um 04:00 mit der 3ten Ladung Dipidolor (davor schon Oxy) schlafen geschickt wurde :winke
3 Stunden später aufgewacht und völlig verdutzt: Schmerzen nahezu weg. Stehen und Gehen wieder möglich, harte Schmerzmittel in Folge dessen direkt wieder abgesetzt. Nach 7 Tagen im Krankenhaus durfte ich dieses nun letztes WE wieder verlassen. Mir geht es super gut, keine Schmerzen und gerade die letzte Nacht war göttlich. Schlafen auf beiden Seiten und dem Rücken :bank , so habe ich das seit meinem Vorfall nicht mehr genießen dürfen.

Diagnose die Zweite:
Der beim Vorfall ausgetretene Gelkern der Bandscheibe hat sich durch die Bewegung umgeklappt / umgelegt und ist in den Nervenkanal einer Nervenwurzel über meinem Vorfall eingedrungen. Der MRT Bericht spricht von einer "hochgradigen" Enge :h . Und dies sollte Folgen haben:

Neurologische Ausfallerscheinungen / Fuß- und Zehenheberparese:
Leider kamen meine dieses Mal starken Schmerzen nicht ohne Grund. Ich habe eine schwache Fußheberschwäche (95% gehen) und eine starke Zehenheberschwäche (10% Leistungsfähigkeit) am rechten Fuß davongetragen. Ich kann die Zehen zwar bewegen, bin aber bezüglich Kraft und Bewegungswinkel deutlich eingeschränkt. Positiv ist dass ich meinen gesamten Fuß normal spüre (mit der Nadel getestet) und auch alle Reflexe da sind.
Obwohl die neurologischen Ausfälle da sind bin ich und mein Arzt klar der Meinung die Therapie ohne OP in Angriff zu nehmen. ich denke dass sich in der Nacht von Sonntag auf Montag ein Teil des Gelkerns wieder aus dem Nervenkanal gelöst hat, anders kann ich mir nicht vorstellen wieso innerhalb von 3 Stunden Schlaf mein Schmerzniveau von 100 auf 10% fallen konnte. Somit wäre der Druck sowieso wieder vom Nerv und eine OP unnötig? Im Krankenhaus wurde mein Beinheber und meine Zehen mit einem speziellen Strom behandelt (kein TENS) der tatsächlich dazu führte dass sich bereits kleine Verbesserungen einstellten. So sah das Ganze aus:

Angefügtes Bild

Zusätzlich war noch ein Metallbügel mit zwei Schwämmen vorhanden mit dem die Therapeutin sehr gut meine Zehen zum Arbeiten bringen konnte.

Nun die Frage:
Um zuhause neben meiner Physio bestmöglich therapieren zu können habe ich mir nun ein TENS / EMS Kombigerät zugelegt:
https://www.amazon.de/4-Kanal-TENS-Muskelst...4deef0629f694d4

Wer hat hiermit welche Erfolge erzielt, und wieso ist zur Reaktivierung des Nervs vor allem der EMS Mode geeignet wobei TENS ja eigentlich den Nerv selbst stimuliert?


Danke an alle die bis hierher gelesen haben und ich werde meinen Fortschritt natürlich weiterhin hier bereitstellen! Es geht ja bei der ganzen Sache auch oft darum seelischen Mut zu tanken, und hierzu können solche Erfahrungsberichte maßgeblich beitragen!
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Speedster
Geschrieben am: 14 Nov 2018, 05:50


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Hallo,

als ehemaliger Bodybuilder und L4L5 Betroffener stellt sich mir eine FRage:

Wer in der Reha hat Kreuzheben für einen BSV Geschädigten erlaubt??
Und soclhe Übungen sind NIEMALS für die innere Stützmuskulatur, die "steuerst" du nur unwillentlich an. (Schwingstab, Balanceübungen usw.))
Viel Schlimmeres als KH gibt es für den Rücken nicht, durch die extrem hogen Scherkräfte der Bandscheiben.


Viele Grüße
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BJ86
Geschrieben am: 14 Nov 2018, 18:16


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Hallo Speedster,

natürlich wurde Kreuzheben nicht für die Tiefenmuskulatur durchgeführt. Hierzu gab es diverse Programme und Übungen die allesamt balancebetont waren. Hierfür habe ich mir auch ein Balance Board für zuhause zugelegt.
Kreuzheben wurde mir als hilfreiche Übung zur Stärkung des gesamten Rumpfs beigebracht, also Oberschenkel, Po, unterer Rücken und Bauch. Natürlich mit überschaubaren Gewichten und unter strenger Einhaltung einer perfekten Körperhaltung. "Verordnet" wurde das durch recht gut ausgebildetes Personal, allesamt Sportwissenschaftler.
Ich kann nur sagen dass mein Zustand während der Reha konstant besser wurde und ich defintiv keine Verschlechterung durch die Übung wahrnehmen konnte. Mir wurde es so erklät dass bei korrekter Ausführung die Wirbelsäule gerade bleibt (was man im Spiegel auch gut kontrollieren kann) und somit die Sinn und Zweck Rumpfkräftigung voll erfüllt wäre.
Auch mein jetziger Physio hat damit kein Problem solange Ausführung sehr gut und Gewicht im Rahmen?

Kann noch jemand etwas zu EMS und TENS zur Behandlung der Zehenheberparese beitragen? Ich habe eben das erste Mal mit meinem erworbenen Gerät experimentiert, mit geeigneter Intensivität und nach Probieren verschiedener Elektrodenpositionen bekomme ich es hin dass die Zehen leicht angehoben werden. Hat sich hiermit schonmal jemand intensiver beschäftigt im Forum?

Danke und viele Grüße
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ICEMAN_
Geschrieben am: 06 Dez 2019, 13:14


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Hallo BJ86,

wie ist es Deiner Zehenheberparese im weiteren Verlauf ergangen? Habe derzeit dasselbe Problem (Bandscheibe drückt auf Nerv seit 2 Wochen)
Mein Nerv wird im Moment mit Cortison behandelt. Gymnastik und Radfahren geht alles, aber das rechte Bein im liegen mehr als 30° hochzustrecken
geht nicht, da drückt es dann auf den Nerv. Aus den akuten Schmerzen bin ich aber raus. Es scheint als wäre der Nerv einfach noch gereizt.
Am Fuss sind Aussenrist und Ferse noch taub bzw. mit Empfindungsstörungen.

Gruß ICE
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