Bandscheiben-Forum

Dieses Forum ist eine private Initiative von Betroffenen.
Nur durch das persönliche Engagement von Admins, Moderatoren und Betreuern - jenseits eines kommerziellen Betriebes - sind wir in der Lage, ein Forum zum neutralen Erfahrungsaustausch - unabhängig - zu betreiben.
Wir bitten daher alle Firmenrepräsentanten, unsere Unabhägigkeit zu unterstützen und durch Verzicht auf Produkt- und Firmennennungen das Forum werbefrei zu halten.

Die Informationen, die in diesem Forum gegeben werden, sind von Laien für Laien,
und können und sollen in keinem Fall eine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung ersetzen.


2 Seiten: 12 ( Zum ersten neuen Beitrag
 
Reply to this topicStart new topic

> Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben
Benn
Geschrieben am: 17 Dez 2021, 15:43


Öfter dabei
*

Gruppe: *Mitglied*
Beiträge: 30
Mitgliedsnummer.: 22.229
Mitglied seit: 28 Jun 2013




Hallo,

ich möchte in diesem Beitrag schildern wie es bei mir seit dem letzten Beitrag weiter gegangen ist.
Wie bereits geschildert, habe ich am 04.11.2019 bis zum 22.06.2020 eine Maßnahme (Berufliches Training- Integrationsmaßnahme mit Trainingscharakter im BfW absolviert.
Aus gesundheitlichen Gründen betrug das Zeitfenster maximal 5 Stunden am Tag.
Während der Maßnahme habe ich mehrere Praktikas in verschiedenen Berufsfeldern absolviert die mir sehr bei der Entscheidung geholfen haben.
Ich habe durch mehrere Praktikas in einem Betrieb die Möglichkeit erhalten durch eine Qualifizierung in dem Betrieb übernommen zu werden.
Der Geschäftsführer ist ein Bekannter von mir wo ich vor der Maßnahme einen Minijob erledigt habe.
In dem Betrieb sollte ich im Zeitfenster von 5 Stunden täglich leichte leidensgerechte Arbeiten im Wechsel mit dem Erstellen von technischen Zeichnen erledigen.
Ich hätte sehr gern eine Umschulung als Technischer Produkt Designer absolviert.
Leider haben die Ärzte dies aus gesundheitlichen Gründen nicht genehmigt. Ich halte eine ganztägige Ausbildung über 27 Monate nicht aus. :traurig2
Also habe ich im Rahmen der LTA von der RV eine individuelle berufliche Anpassungsqualifizierung im Bereich technisches Zeichnen/technisches Produktdesign vom 23.06.2020 bis zum 22.06.2021 im BfW absolviert.
Das lief so ab das ich drei Tage pro Woche im Betrieb leichte Tätigkeiten ausführen sollte und an zwei Tagen im BfW das technische Zeichnen und den Umgang mit den Zeichenprogrammen Inventor 2021 Professional und Tenado Metall 3D erlernen sollte.
Der tägliche Zeitrahmen betrug natürlich aus gesundheitlichen Gründen maximal 5 Stunden.
Dank Corona musste ich ab etwa November bis zum 22.06.2021 online unterrichtet werden das das BfW geschlossen war.
Deshalb habe ich mir für 700 € ein gebrauchtes Workbook gekauft damit ich zu Hause mit den Zeichenprogrammen arbeiten konnte.
Natürlich war es nicht möglich in dieser kurzen Zeit den Umgang mit den Zeichenprogrammen komplett zu erlernen.
Aber ich war zufrieden was ich im BfW während dieser Zeit vermittelt bekommen habe. Großes Kompliment an die Mitarbeiter des BfW!!!!
Ab dem 23.06.2021 wurde ich im Betrieb als Arbeitsvorbereiter mit zeichentechnischen Aufgaben für 5 Stunden täglich eingestellt.
Da ich mit einem Schwerbehinderten Menschen gleichgestellt bin wurde der Arbeitsplatz (technisches Zeichnen) vom Integrationsamt gefördert. (Schreibtisch und Stuhl leidensgerecht, Computer, Bildschirm und das Zeichenprogramm Tenado Metall 3 D)
Es wurde vereinbahrt das ich mindestens 60% technisches Zeichnen erledigen muss um die Förderung zu erhalten.
Der Betrieb bestätigte die 60%.
Ich habe vorab mit meinem Lehrer vom BfW vereinbahrt das er mit mir zusammen den Arbeitsplatz als technischer Zeichner im Betrieb bestellt und einrichtet.
Leider hat mir der Betrieb nicht die Möglichkeit gegeben den Arbeitsplatz zu bestellen und mit meinem Lehrer einzurichten.
Der Arbeitsplatz wurde von einem anderen technischen Zeichner der hin wieder für den Betrieb arbeitet komplett eingerichtet.
Leider wurde ich dabei nicht berücksichtigt und nicht eingewiesen.
In den ersten Monaten hat nur der andere technische Zeichner an meinem Arbeitsplatz gearbeitet.
In dieser Zeit habe ich alle möglichen Arbeiten im Betrieb erledigen müssen , außer Zeichnen.
Dadurch hatte ich natürlich auch den nötigen Wechsel der Arbeitshaltungen nicht, wodurch sich mein Gesundheitszustand zusehens verschlechterte.
Dies teilte ich natürlich auch dem Geschäftsführer mit der daraufhin sagte das es im Moment wichtigeres gibt als das ich am Computer spiele.
Zum ersten mal saß ich am 24.09.2021an meinem Arbeitsplatz und sollte ganz schnell eine Zeichnung(Fluchttreppen) erstellen. Der Geschäftsführer ist nach etwa 20 Minuten gekommen und wollte die Zeichnung incl. Sägeliste haben.
Ich habe dann gesagt das es nicht so schnell geht. Daraufhin sagte er das er mit dem Aufreißen auf den Beton schneller ist als ich am Computer.
Mitte Oktober saß ich zum zweiten Mal an meinem Arbeitsplatz und sollte für eine Werkstatt eines Paketdienstes in Hannover eine Stahlbühne für die Lüftungstechnik ohne jegliche Maße konstruieren und zeichnen.
Das geht natürlich nicht.
Wie es aussieht wollte mich der Geschäftsführer nur vorführen.
Ich habe also seit 23.06.2021 im Betrieb maximal 10 Stunden als technischer Zeichner gearbeitet.
Ich musste dann wieder andere Tätigkeiten im Betrieb erledigen wodurch sich meine Rückenprobleme weiter verschlechterten.
Seit dem 22.11.2021 war ich deswegen krank geschrieben. Seit dem 06.12.2021 bin ich an Corona erkrankt, aber die Rückenbeschwerden sind immer noch da.
Als ich noch im Betrieb gewesen bin habe ich dem Geschäftsführer gesagt das sich mein Zustand verschlechtert hat und ich am Montag mal zu Arzt muss.
Daraufhin sagte er was er mir getan hat und er nicht bereit ist die Förderung der Rentenversicherung und der Integrationsamtes zurück zu zahlen!
Von Juni bis Dezember bekommt der Betrieb etwa 1000€ monatlich für mich.
Es geht nur um das Geld!!
Darufhin sagte ich ihm das wir es so hätten machen müssen wie es mit dem Integrationsamt vereinbahrt gewesen ist!!!
Ich habe natürlich die RV über die Verschlechterung meines Gesundheitszustandes und die Gründe im November aktuell schriftlich zwei Mal informiert.
Leider habe ich keine schriftliche Antwort erhalten.
Vor kurzem bekam ich einen Anruf von der Reha Beraterin das die Briefe angekommen sind.
Natürlich habe ich gesagt das diese Tätigkeit in der Form nicht leidensgerecht ist und ich nicht wieder dort arbeiten werde.
Leider habe ich keinerlei Informationen von der RV wie ich mich verhalten soll.
Ich bin gespannt ob der Betrieb irgendetwas zurückzahlen muss.
Ich hoffe nicht das für mich die LTA MAßnahme beendet ist und der Betrieb behält zu Unrecht die Förderung und den für mich eingerichteten Arbeitsplatz.
Dann stehe ich vor dem nichts und der Arbeitgeber lacht sich kaputt.
Das würde ich nicht ertragen.
Hat Jemand etwas Ähnliches erlebt?

Gruss Benn




PMEmail Poster
Top
blumi
Geschrieben am: 17 Dez 2021, 17:02


PremiumMitglied Bronze
Group Icon

Gruppe: Betreuer
Beiträge: 1.330
Mitgliedsnummer.: 27.696
Mitglied seit: 26 Okt 2018




Hi Benni,
das ist ja wirklich völlig daneben, was dein Arbeitgeber mit dir gemacht hat! Da hättest du schon viel früher intervenieren müssen.

Ganz wichtig: mach bitte alles schriftlich und lasse dir alles schriftlich geben!
Nachher will es niemand gewesen sein. Und niemand will dir etwas zugesagt haben. Wahrscheinlich hast du dann " freiwillig" die nicht leidensgerechte Arbeit durchgeführt.

Du darfst dich darauf nicht einlassen. Du siehst ja, auf was es dann hinaus laufen wird. Und letztlich bist du der gelackmeierte und die Firma lacht sich ins Faustchen.

Ich hoffe nur, dass das Amt denen ausreichend Stress macht und dich erneut unterstützt.

LG, Elke
PMEmail Poster
Top
Benn
Geschrieben am: 18 Dez 2021, 10:11


Öfter dabei
*

Gruppe: *Mitglied*
Beiträge: 30
Mitgliedsnummer.: 22.229
Mitglied seit: 28 Jun 2013




Hallo Elke,

danke für die Antwort.
Natürlich hätte ich viel früher intervenieren müssen. Aber da der Geschäftsführer ein Bekannter von mir ist habe ich an das Gute geglaubt und wollte den Job nicht gefährden. Das ging leider soweit bis sich der Körper mit Schmerzen gemeldet hat und mich zur Vernunft gezwungen hat.
Ich habe telefonisch mit meiner Reha Beraterin gesprochen und den Fall geschildert.
Es wurde mir gesagt das ich mich natürlich weiter krank schreiben lassen soll so lange ich die Rückenbeschwerden habe.
Die Reha Beraterin sagte das es wahrscheinlich für die Rentenversicherung nicht möglich sein wird die Förderung der RV vom Arbeitgeber zurück zu fordern.Die RV kann nach ihren Angaben den Arbeitgeber nicht dazu zwingen das ich nur leidensgerechte Arbeiten machen darf wenn auch andere Tätigkeiten zum wirtschaftlichen Überleben des Unternehmens notwendig sind.
Natürlich habe ich darauf hingewiesen das im Arbeitsvertrag steht das ich als Arbeitsvorbereiter mit zeichentechnischen Aufgaben eingestellt und gefördert bin. Diese Tätigkeiten konnte ich aber nur sehr gering bis gar nicht ausüben.
Aber sie will sich noch einmal mit dem Arbeitgeber unterhalten.
Die Reha Beraterin sagte ich soo mich auch an das Integrationsamt wenden und die Situation schildern. Das Integrationsamt hat die Förderung des Arbeitsplatzes speziell für mich unter genauen Auflagen für den Arbeitgeber geleistet.
Ich habe dann beim zuständigen Integrationsamt angerufen und den Fall geschildert.
Ich soll mich noch einmal nach der Corona Erkrankung melden um einen Termin für Anfang Januar für ein persönliches Gespräch im Integrationsamt zu vereinbahren.
Mich ärgert das Ganze total da ich viel Geld in Computer (700 € ) und viele Bücher und Lehrmaterial (300 €) investiert habe was ich nicht wieder bekomme.
Von der Zeit die ich zum lernen des Zeichenprogramms zu Hause verbracht habe ganz zu schweigen. So ein Zeichenprogramm ist schon sehr anspruchsvoll, besonders für einen über 50 jährigen der lange aus der Schule raus ist.
Wer die Umschulung im BfW zum technischen Produktdesigner macht der bekommt einen mehrmonatigen Vorbereitungslehrgang um dies überhaupt zu schaffen.
Den Vorbereitungslehrgang hatte ich nicht.
Trotzdem habe ich mich voll dahinter geklemmt.
Um so bitterer ist es wenn man dann das erlernte im Betrieb nicht anwenden darf, sondern nur andere Tätigkeiten machen muss.
Ich hoffe das ich nicht leer ausgehe und ich vielleicht noch im Rahmen der LTA eine Chance bekomme. (natürlich nicht in diesem betrieb)
Ich weis nicht wann die LTA als abgeschlossen gelten?

Gruss Benn
PMEmail Poster
Top
karin59
Geschrieben am: 18 Dez 2021, 11:58


BoardIngenieur
***

Gruppe: *Mitglied*
Beiträge: 578
Mitgliedsnummer.: 16.697
Mitglied seit: 01 Aug 2010




Hallo Benn,

Ich habe vor Jahren Ähnliches erlebt. Zum Ende wurde der Vertrag gekündigt, betriebsbedingt wie es hiess.
Ob die Zuschüsse der RV rückgezahlt wurden, weiss ich nicht.
Ich war damals sehr zukunftslos und gefangen in Depris, sodass ich zum Kämpfen keine Kraft hatte.
Zum Ende unseres Lehrganges der TaA hatte nur Einer das Glück,einen Job zu bekommen, wo auch die Aussichtauf Weiterbeschäftigung bestand.
Nicht in jedem Fall natürlich durch die Angebote der Arbeitswelt., aber doch für meinen Geschmack zuviel.
Ich hab für mich die Erfahrung gemacht, dass Praxis und Theorie eben einen Riesenabstand haben.
Menschen mit durch Krankheit bedingten Einschränkungen haben sehr oft dadurch auch psychische Probleme, die die Kraft rauben, sich stark zu machen.
Das ist etwas, was theoretisch gut nachvollziehbar ist, aber in der Praxis hinterherhängt, weil das viel hinterfragt werden muss und sich diese Zeit kaum Jemand nimmt. Und schon gar kein , zumindest wenige Arbeitgeber. Die brauchen junge , gesunde unverbrauchte Mitarbeiter.
Für den Rest bleiben dann die ungeliebten minderwertigen Arbeiten, die aber schlecht bezahlt trotzdem gemacht werden müssen.
Nach meinem Lehrgang und dem Ende /Auslaufen von ALG1 und KG habe ich schlussendlich eine Arbeit angenommen, die ich laut Krankheitsbild nicht ausführen sollte. Einfach weil keine besseren Angebote da waren und ich nicht Hartz-Empfänger sein wollte, aber auch nicht zu Hause sitzen.
Ich denke, dass es Vielen so geht .
Ich habe viel gehört und mit Vielen gesprochen und mir meine Meinung daraus gebildet.
Jedem, der das Glück hat, entsprechende Arbeit zu bekommen und dauerhaft auszuführen, wünsche ich Glück und freue mich für ihn. Schade nur, dass es nicht die Mehrheit ist.
Unsere Gesellschaft ist nur auf Leistung und Geld ausgerichtet.
PMEmail Poster
Top
Benn
Geschrieben am: 18 Dez 2021, 20:00


Öfter dabei
*

Gruppe: *Mitglied*
Beiträge: 30
Mitgliedsnummer.: 22.229
Mitglied seit: 28 Jun 2013




Hallo Karin,

es ist traurig aber anscheinend gängige Praxis in Deutschland Menschen mit krankheitsbedingten Einschränkungen nur so lange zu beschäftigen so lange es Förderung gibt.
Bei mir war es auch so das die Anforderungen zum Ende der Förderungen höher und der Ton rauher wurde.
Ich habe dem Geschäftsführer gesagt das ich aufgrund der bekannten gesundheitlichen Einschränkungen nach dem Wegfall der Förderung nicht mehr oder schneller arbeiten kann!
Man kann sich bemühen wie man will und auch über die Grenzen des körperlich möglichen hinausgehen, wenn die Förderung wegfällt.......
Mit dem Satz das unsere Gesellschaft nur auf Leistung und Geld ausgerichtet ist hast du absolut Recht!

Gruss Benn
PMEmail Poster
Top

Topic Options 2 Seiten: 12 Reply to this topicStart new topic

 

LoFi Version