Bandscheiben-Forum

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> Schwere Entscheidung, Operation mit 21 Jahren?
Kalle2
Geschrieben am: 30 Mai 2020, 12:47


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Hallo Zusammen

Es geht um meinen 21-jährigen Sohn, bei dem vor 6 Monaten ein Bandscheibenvorfall diagnostiziert wurde.

MRT-Befund:
Diskusprolaps L3/L4 links mediolateral mit caudaler Sequestration und Affektion der linken Wurzel L4 im Lateralrecessus.

Symptome:
12/19: starke bis in den Fuß ausstrahlende Schmerzen (L4-Symptomatik), Sensibilitätsstörungen mit Kribbeln, Hitzegefühl, Taubheit bis in den Fuß, leichte Schwäche Oberschenkelmuskel (Kraftgrad 4/5). 2 Wochen war nur Liegen auf dem Bauch möglich, 2400 mg Ibu + 3000 mg Metamizol/Tag über 2-3 Wochen. Osteopathie brachte Besserung.

seit Ende 01/20: schmerzmittelfrei, Oberschenkelmuskel atrophiert, immer wieder aushaltbare auch ausstrahlende Schmerzen, Taubheitsgefühl.

seit Ende 03/20: weitere Besserung, nur noch selten stärkere Schmerzen, weiterhin keine Schhmerzmittel.

Bisher wurde keine Physio gemacht, 1x Pilates und Osteopathie. Nun war angedacht die Muskulatur aufzubauen, vor einer Woche erster Phsysio-Termin. Dort wurden ihm ungeeignete Übungen gezeigt ("situps"). Danach heftiger Rückfall mit wieder vollem Symptombild wie 12/19.

Nach 5 Tagen Schmermittelgabe und nach erneuter Osteopathie nun wieder weitgehend schmerzmittelfrei aber Sitzen geht nur ganz kurz, Schmerzen treten immer wieder auf, auch kurz ausstrahlend, dennoch deutlich Besserung im Vergleich zu vor einer Woche, was ich erfreulich finde.

Mein Sohn hat sich körperlich sehr geschont in den letzten 6 Monaten, vielleicht zu stark und zu wenig Therapie gemacht (auch coronabedingt).

Nun wird ihm ärztlicherseits nach diesem Rezidiv zur OP geraten auch wegen der Muskelatrophie und der fragilen Situation (allein falsche Übungen führen zu starker Verschlechterung).

12/19 war er bereits beim Operateur, seinerzeit riet dieser zum Abwarten, nun soll nach noch erfolgendem Kontroll-MRT eine erneute Vorstellung stattfinden und ich gehe davon aus, dass auch der Chirurg zur OP rät.

Ich finde dies bei einem 21-jährigen dennoch sehr schwer zu entscheiden, zumal die Symptome in den letzten 8 Wochen deutlich rückläufig waren. Gut er kann sich immer noch nicht selbst die Socken anziehen aber sonst ist er im Alltag mäßig eingeschränkt bis auf den Verzicht auf Sport.

Einerseits sollte er wieder körperlich belastbarer werden auch um die Muskulatur auftrainieren zu können, andererseits sehe ich die OP-Risiken und auch danach geht es an den Muskelaufbau.

Ich bin als Vater überfordert hier den richtigen Weg zu unterstützen, da ich nicht weiß, was besser für ihn wäre. Es ist eben sehr schwer einen passenden Therapeuten zu finden, was vielleicht die "Rettung" wäre, 1x hatte er Pilates gemacht, was ihm nicht schadete aber die Lehrerin wurde leider krank. Osteopathie hilft immer sehr gut und entspannt aber die Nervenwurzelreizung wird dadurch auch nicht komplett verschwinden, wobei es wie gesagt schon viel besser war und hoffentlich in 1-2 Wochen wieder besser sein wird.

Bezüglich OP bin ich wie gesagt skeptisch. Ich habe auch gelesen, dass bei jungen Patienten häufig ein interspinöses Implantat (Spacer) eingesetzt wird, also einen Fremdkörper, der sicher nicht Jahrzehnte halten wird, so dass Re-op´s vorprogrammiert sind.

Was wären Eure Empfehlungen hinsichtlich OP?

Herzlichen Dank und viele Grüße von Kalle
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karin59
Geschrieben am: 30 Mai 2020, 13:11


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Hallo ,
also hinsichtlich der OP s kann da Keiner recht raten. Es gibt die verschiedensten Möglichkeiten.
Wenn aber eine so deutliche Verbesserung in Ruhe jetzt eingetreten ist, würde ich noch warten. Eine OP kann dann immer noch durchgeführt werden.
Eine unabhängige Zweitmeinung würde ich mir einholen mit MRT- Bild und Vorgeschichte ohne die Vorkenntnisse zu erwähnen. Dazu würde ich einen Neurochirurg aufsuchen. Den würde ich dann auch fragen über OP-Möglichkeiten und Folgen.

Physiotherapie ist in geringem Mass auch sinnvoll. Übungen ohne Belastung der WS . Dehnübungen und Kräftigung der Muskulatur ohne Geräte.
Es ist und wird eine Baustelle bleiben, die man immer im Auge behalten muss. Wenn man das macht , kann man damit auch gut leben.

Solange man ohne Schmerzmittel auskommt und andere konservative Möglichkeiten im Raum stehen, kann man einer OP aus dem Weg gehen.
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Quantix
Geschrieben am: 30 Mai 2020, 13:38


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Hallo Kalle,
hör mal zusammen mit deinem Sohn dem Arzt aus diesem Video zu
https://youtu.be/Hq73BfIlWsY
Vielleicht hilft das bei der Entscheidungsfindung. Es gibt zwischen „Ibo+Gymnastik“ und der Operation noch die Spritzen als Therapiemöglichkeit, die man ausprobieren könnte, wenn es nicht besser wird.
Ich wünsch euch gute Entscheidungen.
Gruß
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.Sophia_
Geschrieben am: 31 Mai 2020, 14:08


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Hallo Kalle,

ich selbst wurde mit 18 dynamisch an der Wirbelsäule versteift. Das ganze hat 8 Jahre gehalten und ich hatte letztes Jahr eine Anschlussdegeneration und musste das zweite mal - diesmal mit entfernen der Bandscheibe und Cage von L4 bis S1 versteift werden.

Ich habe damals alles mögliche versucht um um eine Operation herum zu kommen. Habe unendlich viele Einheiten Physio gemacht ich glaube insgesamt 14 Infiltrationen und PRTs bekommen (Spritzentherapie) war 3 Wochen in einer Spezialklinik für stationäre Schmerztherapie mit allen möglichen Anwendungen - hatte aber zu keinem Zeitpunkt eine ausreichende Besserung.

Hätte ich gemerkt, dass mir eine dieser Therapien geholfen hätte oder ich sogar ohne Schmerzmittel zurechtgekommen wäre hätte ich mich niemals operieren lassen.
Das Op Gebiet ist und bleibt für ewig eine Schwachstelle und die Ergebnisse nach konservativer Heilung fallen meist und vor allem auf Dauer viel positiver aus.

Keiner kann euch sagen wie ihr es richtig macht aber es gibt noch so unzählig viele Möglichkeiten, die dein Sohn versuchen kann und diese würde ich auch alle erst ausschöpfen soweit er es Schmerztechnisch aushält.. Vor allem weil ja zwischenzeitlich eine Besserung eingetreten ist.

Mein Arzt sagte zu mir, es gibt nur eine Wirbelsäulen-Op die man auf Dauer vermeiden kann. Und das ist die Erste.
Ich hatte leider mehrere Baustellen unter anderem einen Banscheibenvorfall und was das größere Problem war einen Gleitwirbel.

Ich wünsche euch alles Gute, und drücke die Daumen, dass es deinem Sohn bald besser geht

LG Sophia
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Kalle2
Geschrieben am: 31 Mai 2020, 14:37


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Hallo Sophia, hallo zusammen

Vielen Dank für Eure guten Ratschläge.

Sophia Deine Geschichte ist tragisch, zeigt mir aber auf, dass bei meinem Sohn noch nichtmal unbedingt eine relative OP-Indikation besteht.

Ich hoffe, dass ich ihn überzeugen kann weiterhin Geduld zu haben. Er ist nun seit 3 Tagen (1 Woche nach dem Ereignis) quasi wieder fast schmerzmittelfrei, heute Nacht hat er eine 400-er Ibu genommen, was ist das schon gemessen an den vielen Patienten, die monatelang Höchstdosen einnehmen, z.T. auch Morphinderivate.

Du hast es wie gesagt sehr eindrücklich beschrieben.

Das Problem besteht darin, dass nun alle Ärzte (2 Orthopäden, 1 Allgemeinarzt) meinen nun muss operiert werden aber keiner dieser Ärzte hat meinen Sohn aktuell gesehen.

Das Problem besteht darin eine gute Therapeutin zu finden, diese Physio hat seinen Zustand massiv verschlechtert.

Ich werde meinen Sohn Deinen Beitrag natürlich verlinken.


Ich wünsche Dir alles Gute, viele Grüße von Kalle

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Quantix
Geschrieben am: 31 Mai 2020, 18:24


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Hallo Kalle,
zum Thema Operation würde ich deinem Sohn und dir noch folgendes Video empfehlen
https://youtu.be/6oXzsXmD7bs
Hier wirst du hauptsächlich schlimme Schicksale finden. Das bedeutet jedoch nicht, dass Operationen an der Wirbelsäule grundsätzlich falsch sind. Ich würde sinngemäß die Formulierung des Arztes aus dem Video übernehmen. Falls die Indikation für die Operation stimmt, dann geht es den Patienten danach besser. Umgekehrt würde ich mich niemals unters Messer legen, wenn es mit einer 400er IBU auszuhalten ist. Dazu wäre mir das Operationsrisiko zu groß. Der Herr aus dem Video würde deinem Sohn wahrscheinlich dazu raten weiter den konservativen Weg zu gehen.
Alles Gute.
Gruß
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karin59
Geschrieben am: 31 Mai 2020, 22:10


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Hallo ,
Ich würde trotzdem die MRT einem Neuro vorlegen. Das heisst ja nicht, dass gleich operiert wird.Das Schlimme ist ja, dass jeder gegen OP ist. Im Grunde ja richtig, aber eben nicht immer und deshalb kann man dann u.U. zu spät reagieren. Das sehe ich aber hier auch nicht, wenn man mit der Medikation gut umgehen kann.
Solche Krankheiten verlangen einen langen Atem und noch mehr Geduld. Zu frühe Mobilisation kann eben auch nach hinten losgehen. Junge Menschen haben da nicht immer das Verständnis dafür. Da muss immer alles schnell gehen. Der Rückschlag sollte auch Deinem Sohn zu denken geben
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Ronja
Geschrieben am: 01 Jun 2020, 09:53


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Hi Kalle,

In deinem.letzten Beitrag schreibst du, dass alle Ärzte - 2 Orthopäden und 1 Allgemeinarzt zur OP raten.
Wart ihr denn schon mal beim Neurochirurgen? Denn nur der sollte entscheiden, ob operiert wird oder nicht.

Anhand deiner Beschreibung, dass er seit einer Woche schmerzfrei ist bis auf eine IBU, sehe ich keine Notwendigkeit überstürzt zu handeln.

Gute Physiotherapeuten muss man tatsächlich suchen. Mir erging es damals bei meiner ersten Physio auch so wie deinem Sohn, bis ich dann die Praxis gewechselt habe. Viele spulen nur einen gewissen Standard ab und achten nicht auf den Patienten.
Dass man nach einer Sitzung allerdings ggf. Muskelkater hat, das kann man nicht vermeiden. Aber die Symptome sollten niemals verschlechtert werden.
Muskelaufbau ist tatsächlich sehr wichtig, allerdings muss man in der Anfangszeit sehr behutsam voran gehen.
Ein kleines Beispiel von mir: selbst wenn ich vor der KG schmerzfrei war, habe ich hinterher öfter noch IBU benötigt. Manchmal - je nach Plan - habe ich die auch gleich davor genommen. Letztendlich hat mich das aber in die Schmerzfreiheit geführt. Hat aber sehr lange gedauert.
Dein Sohn braucht Geduld.
Sage ihm liebe Grüße von mir, ich war nur wenig älter - 24 - und hatte eine 4-jährige Tochter. Es tut mir heute noch weh, was ich alles nicht mit ihr machen konnte. Aber: ich habe es geschafft und dann später zumindest versucht, es ein wenig nachzuholen.

Was machte dein Sohn denn bisher an Sport? Bzw was arbeitet er? Ich hoffe, ich habe es nicht überlesen. Vielleicht kann man da noch etwas optimieren.

LG, Ronja
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Kalle2
Geschrieben am: 02 Jun 2020, 18:12


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Hallo Zusammen, hallo Ronja

Euch allen vielen Dank für Eure hilfreichen Beiträge.

Der Vorstellungstermin beim Chirurgen ist nächste Woche.

Mein Sohn hat bis zu seinem Bandscheibenvorfall aktiv Fußball gespielt, derzeit kann er keinen Sport machen. Ansonsten studiert er, was durch das viele Sitzen ein Problem darstellt.

Ja es ist nicht einfach gute Therapeuten zu finden und Ronja Deine Schilderung bestätigt dies leider. Es ist ein Glücksspiel, da man zahlreiche Empfehlungen bekommt, letztlich aber nur dann weiß ob es funktioniert, wenn es getestet wurde.

Was haltet ihr von folgenden alternativen Therapiemethoden:

- Pilates
- Reizstrom
- Triggerpunkttherapie
- Fascientherapie nach Randoll
- Schröpfen
- Baunscheidt-Verfahren
- Neuraltherapie
- analysegestütztes medizinisches Rückenmuskeltraining
- Nordic Walking

Herzlichen Dank und Grüße von Kalle
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Ronja
Geschrieben am: 02 Jun 2020, 18:57


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Hi Kalle,

Im Endeffekt ist jede Art von Bewegung gut, die deinem Sohn gut tut.
Fußball ist natürlich ein Sport, der durch die Bewegungsmuster schwierig werden könnte.

Ist es ein Neurochirurg bei dem ihr den Termin habt?
Wenn dein Sohn keine Ausfälle hat, gehe ich davon aus, dass dieser nicht operieren wird - außer die Bilder sagen ein extremes Gegenteil.
Sprecht es dort an mit Therapie bzw Sport.
Ansonsten kann ich euch empfehlen, dass er sich ein Rehazentrum oder gutes Fitnessstudio mit guten Trainern sucht und dort Muskelaufbau macht. In meinem Fall war es ein Fitnessstudio, in dem ich mehr Fortschritte gemacht habe wie vorher in der Rehaklinik (gemessen jeweils der Zeitraum von einem halben Jahr).

LG, Ronja
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