Bandscheiben-Forum

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> Seit sechs Monaten Schmerzen, Facettensyndrom, Bandscheibe?
Kikijijikiki
Geschrieben am: 15 Jan 2022, 08:30


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Hallo,

Ich stelle mich kurz vor. Männlicher Bürokaufmann mit überwiegend sitzender Tätigkeit, 35 Jahre alt, 181 cm groß, 90 Kilo schwer, Nichtraucher, Alkohol nur gelegentlich.

Klinik
Seit August 2021 bewegungsunabhängige, dauerhafte Schmerzen im unteren Rücken und Gesäß, die nicht oder kaum provoziert werden können und gelegentlich in die äußeren Oberschenkel ausstrahlen, häufiger in die Hüfte. Die Schmerzen sind morgens weniger ausgeprägt und nehmen im Laufe des Tages meist zu, sind beim Sitzen insgesamt schlimmer, lassen sich durch Sitzen mit angewinkelten Beinen eher ertragen. Schmerzen sind bei sportlicher Betätigung und Bewegung im Allgemeinen erträglicher. Keine neurologischen Ausfälle wie Paresen, gelegentlich aber "schwere Beine". Kein Ansprechen auf Ibuprofen, geringes Ansprechen auf Diclofenac, Tilidin führt zu Benommenheit.

Pathologie
Im Oktober 2021 röntgenologische Diagnose Osteochondrose und Facettensyndrom L4/L5 und L5/S1. Unterstützend MRT zum Ausschluss eines Bandscheibenvorfalls. MRT-Bericht unten. Laut mündlicher Auskunft des Radiologen keine Anzeichen für Bechterew. Nicht weiter eingegangen auf "angedeutete Pseudoretrolisthese".
Lasègue-Test negativ.
Patrick-Test negativ.
Schober-Zeichen unauffällig.
Ott-Test unauffällig.

Code


MRT-Bericht

Befund: Lumbosakrale Assimilationsvariante mit einem asymmetrisch links
teillumbalisierten SWK1. Bei an sich harmonischer flacher Lumballordose
angedeutete Pseudoretrolisthese LWK 5 gegen SWK („LWK 6“). Höhen- und
Signalminderung der Bandscheibe in diesem Segment mit einer medialen
Vorwölbung, die den Duraschlauch dezent pelottiert und die die Wurzeln S1
rechts eher noch als links rezessal eben erreicht und aber nur fraglich irritiert.
Keine Ausdehnung nach foraminal. Keine Auffälligkeiten in den übrigen
Lumbalsegmenten, insbesondere keine Beeinträchtigung der rezessal oder
foraminalen Wurzelverläufe oder des Spinalkanales. Orthotop endender Konus
mit regelrechter Auffiederung in die Kauda.
Keine pathologischen Markraumödemäquivalente der Wirbelkörper oder ihrer dorsalen Anhangsgebilde im STIR-Kontrast. Am orientierend teilerfassten Beckenskelett keine relevante Hüftgelenkspathologie.


Therapien
Seit August 2021 leichte Kräftigungsübungen.
Im September 2021 Rückenschule
Im Oktober 2021 Facettengelenksinfiltration ohne Bildgebung beim Orthopäden
Seit Oktober 2021 regelmäßiges Fitnesstraining mit Fokus auf Rückenmuskulatur
Im September 2021 Physiotherapie (KG)
November 2021: Infolge der im MRT-Bericht genannten Bandscheibenprotrusion zweimal PRT angeordnet durch Neurochirurg.
Dezember 2021: Wechsel des Orthopäden, erneute Facettengelenksinfiltration ohne Bildgebung
Dezember 2021 Osteopathie.
Dezember 2021: Gentest auf HLA/B27 negativ.
Seit Januar 2022 Akupunktur und Wasserbett,
Januar 2022: Erneute Facettengelenksinfiltration, diesmal unter Bildgebung.

Keiner dieser Therapieansätze brachte bisher irgendwelche Erfolge. Ich bin ziemlich verzweifelt. Habt ihr ähnliche Erfahrungen oder Ideen, was bei mir los sein könnte?

Sind erfolglosen Infiltrationen an den Facettengelenken und Bandscheiben als Ausschluss für die Problematik zu deuten? Welche Rolle könnten eventuell die Iliosakralgelenke spielen trotz negativer Zeichen? Welche Rolle spielt die "Angedeutete Pseudoretrolisthese" eventuell?
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blumi
Geschrieben am: 15 Jan 2022, 11:24


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Hallo und herzlich willkommen!

Zu deinen Fragen:
- Die Facetteninfiltrationen und PRTs kann man nur dann als Ausschlussdiagnostik werten wenn sie unter korrekten Bedingungen erfolgten, also ohne Bildgebung zählt da nicht. Als Wirkung zählt dabei allerdings schon eine Besserung für nur wenige Stunden, und manchmal treten die Besserungen auch erst nach mehrfacher Gabe auf, also z.B. 3 PRTs als Serie im Abstand von 1 - 3 Wochen.

- Welche Rolle die Pseudorethrolisthesis spielt kannst du erst dann sicher Beurteilen, wenn eine Diagnostik in Funktion durchgeführt wird (z.B. ein Funktionsröntgen, Myelographie, upright-MRT). Im MRT erscheint diese eher gering, was eher nicht eine hochgradige Listhesis erwarten lässt, aber bereits eine mittelgradige ausprägung kann ja schon enorme Probleme bereiten

- durch den lumbosakralen Übergangswirbel L6 /S1 hast du eine Normvariante, die per se schon Probleme bereiten kann, da durch die beschriebene Teil-Lumbalisation ja asymmetrische Kräfte auf diesen Bereich wirken.
Da dies nicht so häufig ist und sich ein niedergelassener Orthopäde ggf. nicht so damit auskennt, wie es nötig wäre, würde ich dir in deinem Fall raten dich in einem großen spezialisierten Wirbelsäulenzentrum (z.B. Uniklinik) vorzustellen. Seltene Dinge kommen bei denen einfach statistisch öfter mal vor, so dass die Bedeutung für deine Beschwerden durch die Variante eher eingschätzt werden kann und die richtigen Konsequenzen daraus gezogen werden können.

Bist du krankgeschrieben? Sonst würde ich das an deiner Stelle mal machen, um deinem Rücken Ruhe zu bringen. Mehrheitlich Laufen und Liegen und wenigst möglich Sitzen wäre wahrscheinlich sinnvoll.
Ist Stehen genauso schlecht wie Sitzen? Wenn nicht kannst du dir vielleicht ein Stehpult organisieren lassen, so dass du zwischen Sitzen und Stehen wechseln kannst.

LG, Elke
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Kikijijikiki
Geschrieben am: 15 Jan 2022, 13:11


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Hallo liebe Elke, erst einmal vielen herzlichen Dank für deine ausführliche und aufschlussreiche Antwort. Ich bin in Bremen, hier gibt es eine Paracelsus Klinik und ein Wirbelsäulenzentrum in einem Krankenhaus. Meinst du, da ist was Vernünftiges dabei?

Weißt du, was im Falle dieser teillumbalisierten Assimilationsvariante des S1 die Therapie wäre? Läuft das auf eine OP oder auf lebenslange Schmerzen hinaus? Vor beidem habe ich große Angst.

Kannst du mir diese Teillumbalisierung genau erklären? Dass der S1 zu einem L6 wird, kapier ich ja. Aber wie kann das nur teilweise passieren? Was bedeutet das in Bezug auf Muskeln, Bandscheiben, kleine Wirbelgelenke usw.?

Ich bin nicht krankgeschrieben. Das scheint für mich so aussichtslos, weil für mich nicht absehbar ist, wie lange ich krankgeschrieben sein und das Sitzen abstellen müsste. Stehen fällt mir auf Dauer ebenfalls ähnlich schwer. Ich bin, von der sitzenden Arbeit abgesehen, eigentlich auch ein recht aktiver Mensch. Ich spiele gern mit meinen kleinen Kindern, gehe gern spazieren.
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blumi
Geschrieben am: 15 Jan 2022, 14:28


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Hi,

zu Bremen kann ich nichts sagen, da wissen vielleicht andere hier mehr.

Zur Teillumbalisation: Es gibt da unterschiedliche Formen. In der Regel kannst du dir das so vorstellen, dass auf der einen Seite S1(L6) mit S2 knöchern verbunden ist und auf der anderen Seite gelenkig.

Das führt zu zwei Problemen:

- erstens kann da zu einer dauerhaften Fehlbelastung füheren, was häufiger Schmerzen macht. D.h., du wirst dein Leben lang viel für deienen Rücken tun und die Tiefenmuskulatur stärken müssen.

- zweitens kann es z.B. sein, das sowohl PRt als auch Facetteninfiltration eine Etage tiefer, also bei L6/S1 und nicht bei L5/l6 hätten durchgeführt werden müssen. Zu solchen Fehlern kommt es bei solchen Entwicklungsstörungen leider öfters. D-h- vielleicht könnte man bei korrekter Lokalisation dir sogar gut helfen. Du wirst in Zukunft immer darauf aufmerksam machen müsen, denn so etwas wird leicht übersehen.

LG, Elke
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paul42
Geschrieben am: 15 Jan 2022, 14:36


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Hallo und Willkommen im Forum.

Was da im Befund beschrieben wird, ist ein Übergangsgangswirbel der zutsätzlich mödlicherweise eventeuell auch ein Wirbelgleiten zwischen L5 und diesen lumbalisierten Sakrakalwirbelkörper sein könnte?

Hierzu bedarf es der weiteren Diagnostik durch Funktionsaufnahmen, wie Blumi bereits ausführlich beschrieben hat. :ap

Was deinen Übergangswirbel ausmacht, das er anatomisch linkseitig aufgebaut ist, wie ein Lumbalwirbel, also mit seitlichem Dornfortsatz und Wirbelbogen, aber rechts regelgerecht veranlagt ausgebildet ist wie ein Sakralwibel, der den Übergang zum Steißbein bildet.

Die Ursache dazu entzieht sich meinenr Kenntnis, aber so was findet bereits in der embryonalen Entwicklungspahse statt.

Manch einer entwickelt auch einen tatsaächlichen reinen lumbalen 6 WBK+ einen reinen S1 Sakralwirbel.

Deine Probleme enstehen vermutlich eher dadurch, dass dieses Segment im MRT Befund als Pseudorelisthesis beschrieben wird.

Damit wird ein Hinweis auf ein instabiles WBK Segment gegeben.
Insatbile Segmente fördern den degenerativen Verschleiß/ Wasserverlust an den BS.

In deinem Befund bezieht sich das auf ein Gleiten nach dorsal.
Also rutscht L5 nach hinten über diesen Übergangswirbel.

Gerade der Hinweis dass dir das Stehen vergleichbare Beschwerden bereitet, deutet aus meiner Sicht, auf ein instabiles Segment hin.

Beim Sitzen lastet der Druck auf den BS am Höchsten.

Ich denke auch, beim Arzt um die Ecke kommst du vermutlich nicht weiter. zumal die bisherige Therapie nicht so richtig anschlägt.

Kannst mal hier schauen Klick mich


Viele Grüße
paul42
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Kikijijikiki
Geschrieben am: 15 Jan 2022, 19:04


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Vielen Dank für die Antworten.

Je mehr ich mich mit dem Thema beschäftige, desto wahrscheinlicher scheint mir, dass es früher oder später auf eine Spondylodese hinausläuft. Mir wird ganz schlecht bei dem Gedanken. Man liest viel (ja auch in diesem Forum) darüber, dass es vielen Menschen hinterher, wenn auch manchmal erst nach ein paar Jahren, schlechter geht.

Mir ist übel...
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