Bandscheiben-Forum

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> Barfußschuhe, Eignung bei Rückenproblemen
Carpenter
Geschrieben am: 13 Jul 2022, 20:00


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Hallo zusammen

ich bin bei meinen derzeitigen Rückenproblemen der LWS mit diversen degenerativen Entwicklungen (Protrusionen, verengter Spinalkanal, leichter Gleitwirbel) rein intuitiv hin und wieder barfuß unterwegs und habe jeweils eine starke Schmerzminderung festgestellt. Deshalb überlege ich, es mit Barfußschuhen zu probieren. Es geht mir ausschließlich um Gehen, auch mal zügiger, nicht um Joggen.

Hat jemand Erfahrungen mit solchen Schuhen, hat sich mal ein Physiotherapeut oder Arzt dazu geäußert, positiv oder negativ?

Liebe Grüße von Carmen
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Nanu
Geschrieben am: 15 Jul 2022, 21:35


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Huhu Carmen,

ja hier. Ich bin schon einige Jahre überzeugter Barfußschuhnutzer. Für alles und immer, sofern ich die Wahl habe. Habe tatsächlich kaum noch ander Schuhe im Haus. Geht mir nämlich ganz genauso. Ich hab auch das Gefühl, dass es mir eine Linderung bringt.

Die Meinungen von Physios und Ärzten, joa die gehen wie so oft meilenweit auseinander :D .
Mein Osteo sagt es ist Gift, insbesondere auf harten Böden, aber Schuher mit Luftpolstersohle oder so verteufelt er ebenfalls...
Meine eine Physio trägt selber welche, grad auch in der Praxis und liebt die Teile. Mein einer Ha hat die auch jedes mal an wenn ich da bin. Und der vorherige meinte vor einiger Zeit, er hat die gleichen und findet sie super.

Die Aussage von meinem Osteo bezüglich der Bodenbeschaffenheit würde ich beinahe unterschreiben.
Auf nem eher Weichen Waldboden läuft es sich wie auf Wolken, ein Kopfsteinpflaster oder Asphalt ist schon härter und ich finde zu lange am Stück kann es durchaus mal unangenhem und anstrengend werden. Aber ich hab auch die Erfahrung gemacht, dass Barfußschuhe nicht gleich Barfußschuhe sind. Die unterscheiden sich von der Sohle und der Stabilität her zum Teil erheblich. Da muss man unter Umständen echt mal testen, mit was man sich wirklich wohl fühlt oder auf welchem Boden.

Meine Physio hat immer die Fivefingers, die sind wirklich klasse, mag die auch super gerne, nur die Sohlen verschleissen bei mir eher schnell, was ich angesichts des Preises, zum Teil nicht so passend finde. Die Bewegungsfreihet der Zehen, macht das Barfußgefühl wahnsinnig realistisch und man hat nen tollen Halt auf verschiedenen Böden. Allerdings, für Bandis ist das Anziehen gerade anfangs unter Umständen nicht so gut, weil es manchmal beim Zehen in die richtigen Fächer Sortieren hakeln kann.

Daher hab ich mittlerweile überwiegend leguanos. Total flexibel und beweglich, kommt echt ganz gut ans Gefühl ran, die Sohle hält sich bei mir deutlich länger und unauffälliger, da sie keine Fächer haben sind se auch. Die gefütterten sind auch Wintertauglich, sofern es nicht nur nass oder allzu glatt ist. Da werden die Sohlen leider gerne mal rutschig/oder das Obermaterial undicht. Aber gut, bei 50cm+ Schneehöhe oder ner Eisplatte am Hang ist das auch mit anderen Schuhen so. Das ist auch die Wahl der beiden Herren.

Ansonsten hab ich noch Vivos. Der hat ne ziemlich feste Sohle, mit ner optional nutzbaren, dazugehörigen Einlegesohle. Mit dem war ich auch schon Joggen, aber echt nur auf weichen Böden, oder im Fitness. Für sonst, find ich den schon wieder viel zu steif und wenig barfußgefühl vermittelnd, gibt aber tollen halt und Stabilität. Vermutlich geeigneter, wenn jemand empfindlich ist, da es Kopfsteinpflaster oder Steine etwas ausgleicht und auf Abstand hält.

Gibt ja noch mehr Hersteller, mittlerweile sinds ja recht viele. Aber die anderen kann ich nicht beurteilen, da bisher noch nie getestet.
Fazit, du musst vermutlich ausprobieren ob, und in welcher intensität/auf welchem Untergrund es für dich passend ist und welcher Hersteller. Und achtung, am Anfang vielleicht nicht gleich zu lang, ich hatte anfangs nen ordentlichen Muskelkater, nicht nur in den Füßen :z

Liebe Grüße
Nanu
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Carpenter
Geschrieben am: 15 Jul 2022, 22:12


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Hallo Nanu, dankeschön für Deine ausführliche Antwort.

Meine Trainerin beim Rehasport trägt auch oft Barfußschuhe, sogar zum Wandern, auch Leguanos, und dann nannte sie noch die Marke Zaqq. Einen Leguanos-Laden gibt es hier seit einiger Zeit. Ich werde auch noch einmal meine Physio befragen. An meinen Orthopäden werde ich mich auch noch wenden, der kann sich meine Füße anschauen. Blöderweise habe ich Spreizfüße und bin unsicher, ob ich in dieser Hinsicht mehr Schaden anrichte.

Momentan laufe ich immer ein Stück barfuß, natürlich vorsichtig, um mir nichts einzutreten oder mich zu verletzen. Aber das funktioniert natürlich nicht dauerhaft.

Liebe Grüße von Carmen

Bearbeitet von Carpenter am 15 Jul 2022, 22:14
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Nanu
Geschrieben am: 16 Jul 2022, 16:08


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Hallo Carmen,

gerne. Frag ruhig mal nach. Meinungen und erfahrungen zu sammeln schadet sicher nicht.
Beim Wandern sind die auch toll, die halten das auch gut aus, in meinen bin ich auch jeden Tag ca 10km+ unterwegs. Wobei am steileren Berg finde ich den Halt in den fivefingers noch besser. Wenn du eh Spreizfüße hast, dann sind die aber vermutlich eher ungeeignet, weil durch die Zehenfächer das vorne im Ballenbereich alles weiter auseinander geht.
Aber flache Schuhe sind dann vermutlich schon geeigneter wie Higheels.

Ich hab ordentliche Senkfüße, seit den Barfussschuhen ist das bei mir etwas besser und stabiler geworden.

Den leguano kannst dir sicher mal angucken, die haben eigentlich auch immer so Kisten mit verschiedenen untergründen, wo man das mal Testen kann. Zaqq hab ich auch schon mal gehört, die haben halt richtig viel Auswahl was verschiedene, komplett unauffällige Optik angeht. Aber bisher noch nicht den kaufdrang verspürt.

Ja das mit den Verletzungen ist das eine, und je nach dem, wo man unterwegs ist, finde ich es auf Dauer anstrengend die Fußsohlen wirklich wieder komplett sauber zu bekommen, obwohl man das momentan auch häufiger mal sieht, auch in den innenstädten.

Liebe Grüße
Nanu
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Carpenter
Geschrieben am: 29 Jul 2022, 13:34


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Hallo zusammen,
hallo Nanu,

am letzten Montag habe ich mir ein Paar Barfußschuhe von Leguano ausgeliehen und vorsichtig begonnen, sie zu testen. Also nicht mehr als eine gute Stunde am Tag, mit kleiner Pause. Was mir aufgefallen ist, dass das Laufgefühl sich doch vom reinen Barfußlauf unterscheidet, das heißt, dass der Ferseneinsatz etwas größer ist.

Leider schmerzt meine rechte Ferse jetzt, nicht extrem, aber doch spürbar, damit hatte ich zuvor weder in konventionellen Schuhen noch barfuß nie Probleme. Gestern und heute habe ich die Leguanos gar nicht mehr getragen, aber die Ferse schmerzt weiterhin. Ich traue mich jetzt nicht so recht und möchte den Schmerz schnell wieder loswerden.

Hattest Du zu Beginn auch Probleme damit?

Liebe Grüße von Carmen
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Carpenter
Geschrieben am: 05 Aug 2022, 16:28


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Hallo zusammen,

inzwischen ist mein Fersenschmerz verschwunden - ich habe die Plantarfaszie mit einem Tennisball "gerollert", die Füße massiert und gedehnt und gut bewegt. Vorsichtige Versuche mit den Barfußschuhen - mehr auf weicheren Böden, wenig Asphalt, bewusster Mittelfußeinsatz - haben sehr gut funktioniert. Und für meinen Rücken bringen sie Entlastung.

Ich neige dazu, am Montag ein Paar zu kaufen, schaue aber mal, dass ich nicht gerade das teuerste Modell von den Leguanos zu nehmen.

Liebe Grüße von Carmen
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TylerDurden10
Geschrieben am: 08 Aug 2022, 21:57


Öfter dabei
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Hallo Carmen,

Spannendes Thema! Ich bekomme zu dem Thema einiges mit, da ich wieder relativ stark in der Marathon- und Ultramarathon Szene unterwegs bin. Wie Nanu schon schrieb, gibt es hier wie so oft starke Verfechter aus beiden Lagern. Von "auf gar keinen Fall" bis zu "nur Barfuß" gibt es starke Ausprägungen. Durch diverse Laufbücher und Dokumentationen ist auch ein wahrer Hype dazu ausgebrochen vor einigen Jahren. Ich sehe mich selbst irgendwo in der Mitte. Ich laufe nicht vollkommen barfuß oder in "sandalenartigen" Schuhen, aber ich bevorzuge die "natural" Modelle wie bspw. Nike Free. Diese sind wahrscheinlich die natürlichsten aus der traditionellen Laufschuh Kategorie. Ich folge hier keinem Trend, aber stelle fest, dass weniger Dämpfung und Stabilität zu einem besseren Laufgefühl führen und ich generell besser darin funktioniere. Natürlich ist das sehr individuell und viel Dämpfung kann bei anderen Personen besser sein.

Auf jeden Fall kenne ich einige Langstreckenläufer, die Barfußschuhe auch bei Marathons oder noch längeren Distanzen tragen. Ich würde allerdings vor der Verletzungsgefahr warnen. Nicht so sehr im Hinblick auf Knochen, Gelenke, Bänder usw. aber viel mehr Stoß- und Schnittverletzungen. Spitze Steine, herumliegende Äste und sonstige Gefahrenquellen können sehr schnell schmerzhaft werden. Zudem würde ich eine langsame Eingewöhnung empfehlen, da sich die Fußmuskulatur über die Zeit an die neue Belastung gewöhnt (wahrscheinlich auch hier wieder individuell wie schnell bzw. langsam).

Du musst für dich herausfinden, was dir gut tut bzw. die Schmerzen lindert. Wahrscheinlich wird dir kein Arzt völlig davon abraten, aber auch nicht sofort dazu raten. Es gibt wohl diverse Studien zur Effektivität, aber ich habe noch nichts im Zusammenhang zu chronischen Rückenpatienten gelesen.

Ich hoffe, dass die Antwort ein bisschen hilft. Wie so oft, gibt es auch hier kein wirkliches richtig oder falsch.

Viele Grüße
Tyler
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Carpenter
Geschrieben am: 09 Aug 2022, 16:58


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Hallo Tyler,

ich glaube, da muss ich ein Missverständnis ausräumen: Die Barfußschuhe werde ich ausschließlich zum Gehen nutzen. Ich laufe/jogge schon seit Jahren (kaum), sondern habe mich auf das Walken bzw. Nordic Walken verlegt. Und auch dafür werde ich weiterhin meine Walkingschuhe nutzen, mit denen ich mich gut fühle.

Ich hatte durch Ausprobieren - eher zufällig - festgestellt, dass Barfußgehen meine derzeit fiesen Schmerzausstrahlungen in die Beine sehr gut lindert. Und da ich auch eine Verletzungsgefahr so ganz ohne sehe, bin ich auf die schützenden Barfußschuhe gekommen.

Ansonsten habe ich den Trend zu immer mehr Dämpfung, nicht nur im Laufschuhbereich, sehr skeptisch gesehen. Letztendlich schade ich doch meinem natürlichen Fußgewölbe damit. Deine Entscheidung zu den Nike Free kann ich gut nachvollziehen. Das Ganze ist sicherlich ein ähnlich strittiges Thema wie die Einlagenversorgung, denn dort wird meine Ansicht nach zuviel des vermeintlich Guten getan. Fundierte Studien zu Barfußschuhen und Rückengesundheit habe ich auch nicht finden können - das, was man liest, scheint mir doch eher dogmatisch oder vom Marketing getrieben zu sein. Ich habe jetzt einfach für mich entschieden, ich nutze die Schuhe so weit ich sie als wohltuend empfinde.

Im September bin ich für zwei Wochen auf einer Nordseeinsel, und dort werden die Barfußschuhe sicherlich zum Einsatzkommen, aber bestimmt werde ich auch nicht auf das ganz natürliche Gehgefühl nackter Füße verzichten.

Liebe Grüße von Carmen


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TylerDurden10
Geschrieben am: 09 Aug 2022, 22:42


Öfter dabei
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Hi Carmen,

Das macht absolut Sinn. Ich wollte damit eigentlich auch nur ein halbwegs "prominentes" Beispiel anführen. Nach dem Motto: Wenn professionelle Ultramarathonläufer damit hunderte von Kilometern laufen, kann es nicht völlig gesundsheitsschädlich sein. Natürlich ist auch hier Vorsicht bei untrainierten Personen geboten. Was das reine Gehen betrifft, würde ich ohnehin keine Probleme sehen.

Was den Hang zur übertriebenen Dämpfung angeht, gebe ich dir vollkommen recht. Auch hier ufert es leider wieder in beide Extreme aus (entweder zu viel oder keine). Andererseits würde ich Anfängern, die evtl. vielleicht auch Gewichtsprobleme haben im Zweifel eher zu zu viel Dämpfung raten bzw. nicht zu gar keiner.

Viel Spaß in deinem kommenden Urlaub und ich bin gespannt, welche Erfahrungen du uns dann berichten kannst.

Grüße
Tyler
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Carpenter
Geschrieben am: 10 Aug 2022, 10:46


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Hallo Tyler,

ja, das ist ein aussagekräftiges Beispiel mit den Ultramarathonläufern. Und ich stimme Dir komplett zu, auch was die Neigung zu Extremen bei den Ansichten betrifft. Schon schade, weil es den Blick auf differenziertes Hinschauen verstellt.

Wenn Du läuferisch gut unterwegs bist, geht es Dir auch sonst gut, oder? Das würde mich freuen.

Vom Urlaub werde ich dann gern berichten.

Liebe Grüße von Carmen
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