Bandscheiben-Forum

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> Dehnen hilft!?
Uli2
Geschrieben am: 19 Sep 2022, 12:26


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Hallo ihr Lieben,

vielleicht habe ich für mich eine Entdeckung gemacht, die auch anderen helfen kann.

Es ist natürlich nicht neu, aber möglicherweise habe ich die Muskelkräftigung (hauptsächlich Stabilisierung -->Mc Gill) zu sehr betont und das Dehnen vernachlässigt.

Meine Spondy (L4-S1) war vor 8 Wochen.

Die radikulären Symptome haben sich gebessert, die Probleme im Rücken seit einiger Zeit verstärkt.

Seit ein paar Tagen habe ich das Dehnen intensiviert und dehne insbesondere die Hüftbeuger. Ich verspüre nun auch eine Besserung der Beschwerden, sogar direkt nach Durchführung der Übungen.
Das ist für mich komplett überraschend.

Auf YouTube habe ich einen interessanten Kanal von Dr. Christian Behrendt (Orthopäde) gefunden, der sehr detaillierte Anweisungen gibt.

" Liebscher Bracht" finde ich in Bezug auf Dehnung auch gut, wenngleich Herr Liebscher sehr umstritten ist.

Ich führe die Übungen mit Korsett durch und gehe sehr vorsichtig vor.

Mich würde interessieren, welche Erfahrungen ihr diesbezüglich gemacht habt .

Liebe Grüße
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Carpenter
Geschrieben am: 19 Sep 2022, 19:54


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Hallo Uli,

ich habe die Erfahrung gemacht, dass mir Kräftigung für die LWS hauptsächlich hilft, allenfalls die Kombination Kräftigung/Dehnung. Ausschließlich Dehnung führt bei mir zu einer Schmerzverstärkung. Ich beziehe mich dabei auf eine Ischiasreizung durch den Piriformis. Jeder - Physio, Orthopäde, Neurochirurg - riet mir zur Dehnung des Piriformis, was ich dann auch brav, regelmäßig und ausdauernd befolgt habe, auch so extrem wie nach Liebscher-Bracht. Kurzfristig ließ sich der Schmerz damit lindern, aber nicht nachhaltig. Irgendwann habe ich das Dehnen gelassen und stattdessen die Pomuskulatur mit tiefen Kniebeugen, Ausfallschritten, Bridging und Planks gestärkt. Verbunden mit anderer Ernährung geht es mir viel besser.

Für die HWS - ohne aktuelle Schmerzsymtomatik - dehne ich oft und gern, was sich durchaus gut und richtig anfühlt.

Bislang - toi, toi, toi - habe ich zum Glück keine OP-Erfahrung, im HWS- und LWS-Bereich alte Bandscheibenvorfälle, Vorwölbungen, Einengungen bei engem Spinalkanal, Foramenstenosen und andere Verschleißanzeichen. Dafür geht es mir - momentan - echt gut.

Liebe Grüße von Carmen

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Uli2
Geschrieben am: 20 Sep 2022, 13:47


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Hallo Carmen,

herzlichen Dank für deine Antwort.
Du hast offenbar ein gutes Gespür für deinen Körper und die richtige Strategie. Ein Glück, dass du noch nicht operiert werden musstest.

Es ist schon kurios, wie sich die "Dehnungsgurus" und "Muskeltrainingsgurus" widersprechen. Da ist ein regelrechter Glaubenskrieg entbrannt.
Mit der Evidenz hapert es teilweise auch. Das ist generell ein großes Problem in der Orthopädie.

Im Wesentlichen halte ich es so wie du: Achtsam darauf schauen, was hilft und diesen Weg konsequent verfolgen.

Nach der Spondylodese muss ich eh noch sehr vorsichtig sein und darf es nicht übertreiben.

Alles Gute für dich und liebe Grüße
Uli
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paul42
Geschrieben am: 20 Sep 2022, 15:32


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Hallo Uli2

wie unterschiedlich so die Erfahrungen sind ist wirklich sehr individuell.

Man sollte nur das machen was der Körper beschwerdefrei zulässt.
Oftmals hat man nächsten Tag gleich die Rückmeldung, dass es zu viel war.

Mein Operateur hatte mir nach meiner Versteifungs OP L4/l5-S1 alles an Reha verboten.
Die KG im KH hat mir stattdessen gezeigt, dass ich Dinge die auf den Boden gefallen sind auch trotz frischer OP mit Kniebeugen gut erreichen kann, solange der Rücken gerade bleibt.
Durch 2 Titancages war ich plötzlich 2cm größer und im gesamten Rücken steif wie ein Brett.

Die Kniebeugen haben das eigentlich gut kompensiert, aber meine Beine auch sehr gefordert.
Zu Anfang hab ich zur Sicherheit immer einen Stuhl mit benutzt damit ich Halt mit den Händen hatte, um um wieder hoch zu drücken.

Im Prinzip also fast das gleiche was Carmen beschrieben hat.

Für dich als frischer Spondy ist Ruhe genauso wichtig, damit die Verknöcherung und vor allem die noch frische Wundheilung nicht so gestresst wird.
Zuviel Narbengewebe ist ein Risiko, daher sollte man zunächst in den ersten 3 Monaten vermehrt auf Ruhe und Schoniung setzen, als jetzt schon ambietioniert zu trainieren.

8 Wochen postoperativ sind im Vergelich zu 2 Jahren Genesungsverlauf daher immer noch sehr frisch.

viele Grüße

paul42
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Lulu
Geschrieben am: 20 Sep 2022, 19:54


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Hi Uli2,

Da muss ich Paul42 beipflichten. ...nach 8 Wochen ist noch nix eingewachsen, geschweige denn verknöchert . Ich bin bereits 3x operiert. Davon 2x eine Spondylodese an der LWS.
Es reicht wenn Du täglich spazieren gehst und das Sitzen vorerst vermeidest...nur zum Essen sitzen.
Alles andere Step by step....auch wenn man mehr möchte, (kann ich gut nachvollziehen).
Es bringt letztendlich meist nur neue Probleme. Gar nicht mal so selten sind dann durch das frühe Zuviel Schrauben verrutscht, gebrochen oder es hat sich Narbengewebe gebildet, das dann erneut Probleme macht.

Alles Gute!
Lulu
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Uli2
Geschrieben am: 21 Sep 2022, 14:20


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Ja,

herzlichen Dank an euch beide.
Ihr habt sicherlich Recht mit eurer Mahnung zur Vorsicht.

Ich trage mein Korsett sehr konsequent, auch bei den Übungen.
Die Wirbelsäule bleibt immer grade und wird auch nicht verdreht.

Ja, mit dem Sitzen das ist so eine Sache.
Ich vermeiden auch das Autofahren so gut es geht.
Aber wenn man auf dem Dorf wohnt und der Arzt in der Stadt ist, hat man keine Wahl. Meine Frau bekommt auch nicht ständig frei.

Die Klinik, in der ich mich Mitte Oktober zur Kontrolluntersuchung vorstellen ist auch 140 km entfernt. Das geht natürlich nur mit Liege- und Laufpausen.

Insgesamt betrachte ich den Abbau der Rumpfmuskulatur während der 12wöchigen "Korsettphase" schon als problematisch.
Es ist wirklich erschreckend, weil gut sichtbar.

Es gibt ja auch Orthopäden die das mit dem Korsett kritisch sehen.
In der Schweiz z.B. scheint es eher unüblich zu sein.

Ich habe auch kein gutes Gefühl in Bezug auf einige andere Bandscheibenvorfälle oberhalb der Versteifungen.

Deswegen denke ich, dass ein moderates und sehr vorsichtiges Muskeltraining mit Korsett nicht nur möglich, sondern notwendig ist.

Darüber hinaus sind einige Muskeln ( piriformis, psoas, Ischiocurale...) sehr verkürzt, verhärtet und scherzhaft.
Nach dem Dehnen sind die Schmerzen meistens weg und ich kann mich deutlich besser bewegen und laufen.
Ich kann an dieser Vorgehensweise nichts falsches erkennen.

Liebe Grüße
Uli
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Zürbiswolke
Geschrieben am: 26 Sep 2022, 08:28


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Hallo
Im ersten Lock down habe ich angefangen mit dem laufen und hatte Prompt wieder die gleichen Schmerzen wie vor der Op 2016 auch s1 bis L5

Ich habe seit 4 Jahren einen personal Trainer der mir dann gesagt hat die Schmerzen kommen nicht vom Rücken sondern von einem verkürzten hüftbeuger. Er hat mir ein paar Übungen gezeigt - kurz darauf war ich schmerzfrei . Der hüftbeuger verkürzt auch wenn man zu viel sitzt !

Ich wage sogar soweit zu gehen und zu sagen, das die OP unnötig war und der Bandscheibenvorfall nicht hätte operiert werden müssen, wenn ich damals schon meinen trainier gekannt hätte!
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blumi
Geschrieben am: 26 Sep 2022, 13:50


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Hallo,

mir wollten auch schon Therapeuten etwas von einem verkürzten Hüftbeuger erzählen.

Sehr lustig, wenn man überbeweglich ist und sich in alle möglichen Positionen ohne größere Spannung begeben kann.

Ich kann mir schon vorstellen, dass das bei einigen richtig ist. Aber dass die ganze Menschheit jetzt ständig verkürzte Hüftbeuger oder ein Problem mit dem Piriformis haben soll (der übrigens vom N. Ischiadicus innerviert wird, wo sich die Frage nach Henne und Ei stellt) das halte ich für eine wissenschaftlich nicht belegte Modebehauptung.

Ich würde ein Trainingsprogramm, und dazu gehört auch Dehnen, immer mit den Therapeuten absprechen, da die Ausgangssituation immer auch sehr individuell betrachtet werden muss.

Für mich ist Dehnen z.B. Gift, klar darf ich mich mal herzhaft Strecken in alle Richtungen, das tut ja auch einfach gut, aber ansonsten ist Stabilität das, woran ich arbeiten muss und was ich durch Dehnen nur behindern würde.

Daher würde ich empfehlen auch sehr auf den eigenen Körper zu achten, man merkt im Prinzip was gut tut und was nicht, und das kan intraindividuell sehr unterschiedlich sein, ggf. auch das Gegenteil.

LG, Elke
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