Bandscheiben-Forum

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> Prolaps L5/S1, Denervierte Wadenmuskulatur
Ella
Geschrieben am: 22 Jan 2023, 21:59


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Hallo, ich bin Ella und lese hier seit Ende letzten Jahres mit.

Ich hatte Mitte Oktober 2022 einen Bandscheibenvorfall. Ich hatte starke Schmerzen und mein rechtes Bein war bis zum Oberschenkel taub. Ich konnte aber laufen und nahm gegen die Schmerzen Ibuprofen.

Ich bat die Vertretung meines Hausarztes um eine Überweisung zum MRT und zur Neurologie. MRT innhalb von zwei Tagen, der Bericht der Radiologin spricht von L5/S1, „LWK 5/SWK 1 Retrospondylose, rechts paramedianer, transligamentärer nach kaudal und rechts dorsolateral sequestrierender Bandscheibenprolaps, Bedrängung der Wurzel S1 im rechten Recessus, Einengung der Neuroforamina von kaudal mit Kontak zur Wurzel L5. Intervertebralarthrosen beidseits.“

Die Neurologin der Uniklinik sagte mir nach einigen Tests, das sei konservativ gut behandelbar. Ich solle sofort mit Krankengymnastik anfangen, dann würde ich das schaffen. Sie bat mich, auf Zehenspitzen zu stehen (war mit beiden Füßen gleichzeitig auch nicht schwer, tat aber weh) in den Bericht schrieb sie später: „Gang und Gangvarianten Hackengang und Zehenspitzengang unauffällig.“

Die Situation änderte sich, ich bekam wirklich üble Schmerzen, vor allem Nachts. Nach sechs Wochen mit wenig Schlaf und großen Schmerzen ließ ich mich zum Neurochirurgen überweisen. Zu dem Termin „schleppte“ ich mich auf Gehhilfen, sitzen konnte ich dort nicht, ich ließ mich einfach auf die Behandlungsliege fallen - der Arzt fragte mich beim Besprechungstermin, ob ich noch am selben Tag mit den PRTs beginnen will.

Nach 5 Spritzen war das Bein nicht mehr taub, ich konnte zum ersten Mal differenzierter betrachten und untersuchen, wie es mir geht - und was alles nicht mehr geht.

Starke Fußsenkerschwäche, Fußheben funktioniert eingeschränkt, weil die Wadenmuskeln nicht richtig arbeiten. Fußheberschwäche im medizinischen Sinn habe ich aber nicht. Der äußere Beinbeuger am Oberschenkel ist schmal geworden.

Die ganze Strecke, die Beugen und Strecken soll, hatte großen Kraftverlust. Treppen steigen und hinuntergehen kann ich. Strecken länger als 200m kann ich ohne Gehhilfen nicht schaffen, weil die Wade sehr wehtut.

Die Fußsenkerschwäche wird langsam besser und den Beinbeuger kann ich trainieren. Die Wade verhärtet bei Belastung schnell, die Physiotherapeutin kümmert sich, zweimal die Woche. Ich massiere mehrmals am Tag. Im Netz habe ich den Ausdruck „neurogene Verhärtung“ gefunden - und ich wußte spontan, dass das stimmt: Ursprung neurologische Problem im LWS Bereich.

Hauptsächlich wegen der Wadenmuskeln (Schollenmuskel, N. Gastrognemicus und N. Plantaris) mache ich morgen ein zweites MRT. Das kann auf keinen Fall so bleiben. Ich bin Freiberuflerin und versuche, positiv zu bleiben.

Inzwischen sind dreieinhalb Monate seit dem Prolaps vergangen und ich habe viel gelesen und dazugelernt. ich mache morgens lange Sport, Dehnübungen und Kräftigungsübungen.

Gibt es jemand hier im Forum, der oder die Erfahrung gemacht hat mit dieser Muskelproblematik?

Wenn sich jetzt der Fußsenker verbessert und sich der Beinbeuger sichtbar (im Sinne von Muskelzuwachs) trainieren läßt, dann sollte die Nervenwurzel nicht mehr bedrängt sein, oder? Kann sich dann auch die Ansteuerung des Muskels wieder entwickeln? Oder ist das unwahrscheinlich? Wie lange kann man dem Thema Operation aus dem Weg gehen?

Vielen Dank fürs Lesen, über Antworten freue ich mich.

Ella
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Peme
Geschrieben am: 23 Jan 2023, 20:40


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Liebe Ella,

ich hatte das auch, allerdings hatte ich auch eine 2/5 Parese und klare OP-Idilation. Nach Rückkehr der Funktion und Kraft war meine schwache Wade so verhärtet, dass sie fast 2 cm dicker war (echt blöd beim Stiefelkauf). Ich habe auch häufiger Krämpfe bekommen. Das ist aber mit der Zeit alles besser geworden. Der Nerv ist gereizt und geschädigt. Das braucht seine Zeit.

Berichte, was dein MRT ergibt. Wenn’s besser wird, gebe nicht auf. Ich habe damals konservativ immer nur Verschlechterungen gehabt. Drücke Dir die Daumen :ap

Viele Grüße Peme
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Ella
Geschrieben am: 25 Jan 2023, 19:52


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Liebe Peme,

vielen Dank für Deine Antwort und danke, dass Du von Deiner Erfahrung schreibst.

Das Problem bei meiner Wade ist, dass die drei hinteren Muskeln, die auch an der Dorsalflexion beteiligt sind, überhaupt nicht arbeiten. Teile des Tibialisnerv (die für die Dorsalflexion wichtig sind) stammen aus S1S2. Und da liegt das Problem. Also ist der Fuß auf 90° eingefroren, kann damit zwar in die Plantarflexion, aber nicht Richtung Knie. Sieht aus wie Fußheberschwäche, ist es aber nicht.

Das MRT hat ergeben, dass die Nervenwurzel immer noch bedrängt wird, und dass mein Körper das ausgetretene Bandscheibenmaterial noch kein bisschen abgebaut hat.

Der Neurochirurg im Wirbelsäulenzentrum sagte bei der Besprechung noch einmal deutlich, mein Problem sei nicht so sehr L5, sondern SWK1.

Er bot mir einen Operationstermin in der nächsten Woche an. Er sagte, gut Sie können es jetzt noch zwei Monate probieren mit Physio, Schmerzmitteln und Bewegung - aber ich rate Ihnen nicht dazu.

Mir gingen die letzten 3,5 Monate durch den Kopf, jeden Morgen zwei Stunden Dehnen, danach Kräftigung und allgemeine Bewegung. Vor 11.00 Uhr konnte ich nie aus dem Haus, weil ich ohne das Programm gar nicht in der Lage war mich überhaupt zu bewegen.
Ich habe seit Mitte Oktober genau einmal 20 Minuten gesessen (beim Friseur).

Ich dachte in der Besprechung, wär ja auch schön, wenn die Nervenwurzel endlich mal entlastet wird - und habe zugesagt.

Es war so harte Arbeit, aber das MRT zeigt, dass es gar nicht so viel gebracht hat. Ich habe am nächsten Dienstag den OP-Termin und ich melde mich hier zurück, um zu schreiben, ob und wie mich das weitergebracht hat!

Danke und Gruß,

Ella




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Ella
Geschrieben am: 25 Jan 2023, 20:11


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Ich muss übrigens noch mal deutlich sagen, dass ich von den ganzen Arztbesuchen ziemlich abgeschreckt und ernüchtert bin. Ich wurde in keinem Behandlungsraum gründlich körperlich untersucht. Angefangen bei der Neurologin, die es ausreichend fand, mich mit beiden Füßen gleichzeitig auf Zehenspitzen stehen zu lassen; der Hausarzt, der ohne jede Untersuchung behauptete, ich hätte eine Peroneusläsion; der Orthopäde, der sagt: „Ja, nee, eine Fußheberschwäche können Sie nicht haben, die käme ja von L4!“ Ich kann das alles gar nicht glauben.
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blumi
Geschrieben am: 26 Jan 2023, 17:27


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Hallo Ella,

das ist leider eine sehr frustrierende Erfahrung die schon viele hier machen mussten. Solange man die typschen Symptome hat ist es einfach, und dann wird auch relativ schnell ein Behandlungsweg eingeschlagen (ob der richtig oder falsch ist ist dann immer noch die nächste Frage).
Aber wehe du fällst aus den klassischen Symptomen raus.
Da wo es eigentlich spannend wird und Nachdenken und Nachforschen gefragt ist, wollen viele sich nicht der Mühe widmen. Klar, mit schnellen Lösungen kannst du schnell Geld verdienen. Gerne wird dann auch die Psyche ins Spiel gebracht ( die natürlich auch irgendwann leidtragende des üblen Spiels wird, das bleibt dann nicht aus).
Interessant ist ja bei dir tatsächlich, dass du keine Fussenkerproblematik hast, die würde man in dem Zusammenhang erwarten.
Aber nicht bei jedem verlaufen die Innervationen identisch, die Schemata dafür zeigen sowieso das was am häufigsten so ist, mal ganz abgesehen davon, dass sich in den Sakralplexi Nervenfasern verschiedener Nervenfasern zusammenfinden, es wäre daher ein Wunder wenn das immer bei jedem gleich wäre.
Ich hatte bei meiner L5-Kompression keine Fußheberparese, sondern Fußkrämpfe, allerdings eine isolierte ausgeprägte Großzehenheberparese (2/5). Also auch nicht wirklich klassisch.
Ich wünsche gutes Gelingen, berichte mal.

LG, Elke
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Ella
Geschrieben am: 27 Jan 2023, 08:49


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Liebe Elke,

doch, ich habe „ganz typisch“ eine ausgeprägte Fußsenkerschwäche.

Ich war am Anfang der Behandlungen ziemlich naiv, und als Patientin ist man ja auch immer gern behilflich, also stellte ich mich, wie angewiesen, auf die Zehenspitzen. Mit beiden Füßen gleichzeitig. Das war genau so, bei drei verschieden Ärzten, in drei verschiedenen Häusern. Dass die Fußsenkerschwäche sich nur im Gang auf Zehenspitzen darstellt, wo jedes Bein allein beweisen muss was es kann - offensichtlich unbekanntes Handwerk.

Ich will nicht zurückblicken, das ist die falsche Richtung. Ich kann es ja auch nicht mehr ändern.

Aber klar, wenn jetzt ein Arzttermin ansteht, bin ich (hoffentlich) besser informiert und kann besser auf mich aufpassen.

Gruß,

Ella
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Peme
Geschrieben am: 01 Feb 2023, 00:25


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Liebe Ella,

nachdem Du nochmal so klar beschrieben hast, wie schlecht es Dir geht, finde ich deine Entscheidung zur OP gut. Hadere damit nicht, ich habe damals lange gewartet und bei allem, was im Nachgang war nie diese Entscheidung zur Erst-OP in Frage gestellt. Denn ich wusste, mit 40 eine Wegstrecke von unter 100 m nach 9monatiger Konservativer Therapie ist kein Leben. Mein Neurochirurg sagte: betrachten Sie die OP nicht als Scheitern, sondern als Lösung.

Wenn Du Postop komische Dinge hast, schreib gerne. Vieles, was einen danach sorgt, ist total normal.

Ich drücke Dir fest die Daumen. Bei vielen ist mit der ersten OP Ruhe und ein Ende dieser belasteten Zeit verbunden. Freue Dich darauf.

Ganz liebe Grüße Peme
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Ella
Geschrieben am: 01 Feb 2023, 22:34


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Liebe Peme,

als der Arzt bei der Besprechung gesagt hat, dass die Nervenwurzel immer noch komprimiert ist, war absolut klar für mich, dass ich die Operation will. Für den Neurochirurgen war eine gewisse Dringlichkeit gegeben und mir war der schnelle auch Termin ganz recht.

Die Operation ist gut verlaufen. Der Operateur kam am Nachmittag und hat noch mal gesagt, „das hätten Sie niemals geschafft, der Nerv war schon mit dem Vorfall verwachsen.“

Insofern stehe ich 100% positiv zu dieser OP. Alles was jetzt kommt, liegt in meiner Hand.

Fühlt sich erstmal verletzlicher an als vorher. Ich habe hier im Krankenhaus so ein Korsett bekommen, mit dem ich alle Stunde für 10 Minuten übern Flur und durchs Haus laufen kann. Das Korsett drückt ein bisschen auf den Wundschmerz im Rücken - LWS fühlt sich an wie eine große schwache Stelle.

Aber die Wade „geht wieder“(soweit ich das untersuchen konnte), das ist schon sehr schön.

Ich lasse wieder von mir hören.

Gruß, Ella
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Peme
Geschrieben am: 06 Feb 2023, 20:04


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Liebe Ella,

ich freue mich von Dir zu hören. Ja, es fühlt sich alles instabil an, aber das wird mit der Zeit besser. Auch das Bein fühlt sich ab und an komisch an und der Nerv ist gereizt und meldet sich. Kein Grund zur Panik.

Gönne Die viel Ruhe, Du kannst die innere Wundheilung nicht beschleunigen. Die braucht jetzt und zu viel Belastung macht eher mehr Schmerzen.

Melde Dich, wenn Du was wissen möchtest.

Gute Besserung und toi toi toi

LG Peme
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