Hilfe - Suche - Mitglieder - Kalender
Komplette Version Rat und Tat zu Bandscheibenoperation

Bandscheiben-Forum > LWS-Forum
Seiten: 1, 2
ben_77
Hallo Leidensgenossen stirnklopf.gif ,

ich bin Ben, 25 und hatte vor ca. 3 Jahren einen Bandscheibenvorfall im Bereich L5S1 und eine Vorwölbung im Bereich L5L4.
Damals wurde mir direkt zur Bandscheibenprothese geraten, was ich aufgrund meines Alters erstmal abgelehnt habe.
Stattdessen bin ich konservativ an die Sache rangegangen mit Sport. Ich konnte mir damals einfach einen so massiven Eingriff nicht vorstellen.
Die Schmerzen kamen immer wie eine Welle. Mal war was, mal nicht. Mal starke Rückenschmerzen, mal starkes Feuern in mein linkes Bein. So bin ich recht gut durch die Jahre gekommen. Ohne Schmerzmittel.

Mitte diesen Jahres hatte ich nach dem Frisbeespielen dann so starke Rückenschmerzen, dass ich der OP doch SEHR zugeneigt war. Vor ca. einem halben Monat im Vorbereitungsgespräch hatte ich dann nur minimale Schmerzen (hab nicht groß aktiv Sportarten betrieben), woraufhin der Arzt (aus dem Heilig Geist Hospital Bensheim)mich wieder von der Op abgebracht hat, Zitat: "willst du wegen so etwas (den minimalen Schmerzen) deine Wirbelsäule auseinander nehmen lassen??". Das nachdem er mir vor ca. 2 Monaten sehr zur OP geraten hat (!!???).

Mein größtes Problem ist, ich weiß nicht wann die OP angebracht ist, schmerztechnisch... Heute habe ich jeden Tag immer mal Schmerzen im Bein, längst nicht so stark wie vor drei Jahren, wobei ich mich evtl. auch einfach dran gewöhnt habe und die Schmerzen doch noch so stark sind, ich weiß es leider nicht. Jedenfalls die Schmerzen kommen, ich verbiege mich ein wenig und nach einer Weile sind die Schmerzen wieder weg/quasi weg...
Rückenschmerzen habe ich auch jeden Tag, vor allem in Rückenlage und beim Sitzen. Aber auch die sind für mich "aushaltbar" und nach einer Weile verbiegen oder mal an der Klimpzugstange baumeln lassen sind auch wieder weg. Dann löst sich da unten alles es knackt und ich bin wieder fit. Komplett weg sind die natürlich nie, nur nicht mehr so stark. Sie sind quasi immer so ganz leicht da.

Wenn ich einfach laufe habe ich quasi kaum Schmerzen (Hab vor ca. 2 Wochen auch mühelos eine Hüttenwanderung in den Alpen mitgemacht). Trotz allem bin ich insgesamt sehr in einen Schonmodus verfallen. Ich laufe oft (kein joggen oder so), Frisbee/Basketball mache ich sehr selten, ansonsten bin ich im Fitnesstudio und "bewege" mich dort einfach so gut es geht. Das ist aber auch nicht das gelbe vom Ei, da ich gemerkt habe, das ich auch danach oft Rücken und Beinschmerzen habe...

Wenn ich den Ärzten genau das erzähle heißt es nur "ok ja easy keine OP für dich, komm mit den Schmerzen klar". Aber ich habe aktuell riesen Angst, dass ich mir da unten auf Dauer einfach alles kaputt mache, weil die Knochen quasi aufeinander malmen, worauf ich von den Ärzten im Grunde nie eine sinnvolle Antwort erhalte.

Jetzt habe ich kürzlich von dem Hydrogel gelesen, was eine große Op wohl vermeidet. Die Orte wo so etwas gemacht wird kann man ja leider aber an gefühlt 4 Fingern abzählen und so richtig ist mir auch nicht klar, ob das bei einem Bandscheibenvorfall noch funktioniert.

An die mit Bandscheibenprothese: Wann/wie war euch klar, dass ihr eine Prothese braucht?
War einer von euch zufällig in Bensheim?

An die mit Hydrogel: Hattet ihr einen Bandscheibenvorfall mit Riss im Faserring? Wie war das bei euch und wo wart ihr?

Ich freue mich über eure Erfahrungsberichte und allgemein Kommentaren zu meiner Geschichte. (MRT Bilder versuche ich morgen hochzuladen)

Beste Grüße
Ben
blumi
Hallo Ben,

ich kann nicht ganz nachvollziehen warum dir zu einer Prothese geraten wird.
Weder sind deine Schmerzen so stark, dass du Schmerzmittel brauchst, noch sind andere Maßnahmen ausgeschöpft.
Wie sieht es aus mit Reha, Schmerzklinik, Reha-Sport, Physiotherapie etc?
Im Fitnessstudio solltest du nur Physiotherapeutisch angeleitet an speziellen Geräten trainieren, die die Rückenmuskulatur stärken. Was machst du für deine tiefe Rückenmuskulatur?
Die musst du nämlich stärker, damit kannst du deine Statik wieder verbessern und eine OP eher unwahrscheinlich machen.
Wenn überhaupt hätte man, vorausgesetzt du hattest motorische Ausfälle, über eine Entfernung des Vorfalls nachdenken können.
Aber ohne Schwächen weiß ich nicht, wieso das überhaupt Thematisiert wurde.
Versuche wenn möglich mittels Physiotherapeutisch gestützten Training und ohne OP auszukommen.
Man kann nur eine OP verhindern, nämlich die erste.
Daran solltest du arbeiten.
LG, Elke
Pauline69
Hallo Ben,

auch ich sehe bei Dir absolut keine OP Indikation!

Wann ist sie gegeben?
Wenn Du länger als 4-6 Monate sehr starke, fast unerträgliche und nicht besser werdende Schmerzen hast, die nicht gut auf Schmerzmittel ansprechen und trotz ALLER konservativen Maßnahmen, sich nicht wesentlich verändern.
Wenn Du motorische Ausfälle hast, also einen beginnenden Kraftverlust im Bein oder im Fuß bekommst und durch den Neurologen eine Schädigung nachgewiesen wurde. Du also plötzlich Probleme hast, Treppen zu laufen und mit dem Fuß ständig stolperst oder an Kanten hängen bleibst.

Bei allem anderen würde ich keine Operation in Erwägung ziehen! Weil, Dein Problem ist nach einer Operation nicht gelöst! Diese Stelle ist und bleibt einer operierte Stelle, mit all ihren Empfindlichkeiten und Schwachstellen!

Zu einer Prothese würde ich auf gar keinen Fall raten! Ohne, dass ich selbst davon bestroffen bin, ist diese Methode eine sehr problembehaftete Methode!

Wie Elke schon schrieb, operiert man eigentlich zuerst einmal nur „klein“!
Indem man das herausgetretene Bandscheibenmaterial entfernt, dass die Nervenwurzel, wenn sie denn bedrängt wird, damit entlastet!
Ob sie das wird, merkt man durch Nervenschmerzen und durch motorische Ausfälle!
Erst wenn diese Art der Operation beim 2. Mal nicht zum gewünschten Erfolg führt, denkt man über einen Bandscheiben-Ersatz nach!
Wobei ich persönlich immer zu einem Cage und niemals zu einer Prothese raten würde!

Wurden bei Dir alle konservativen Maßnahmen bereits begonnen oder ausgeschöpft?
Reha, Physiotherapie, PRT Infiltrationen, die richtigen Schmerzmittel?
Du kannst sehr viel mit den richtigen Übungen für Deinen Körper tun!

Viele Grüße
Pauline
Juergen73
Hallo Ben,

willkommen im Forum.

Du hast eine Baustelle die du auch nie mehr los wirst.

Deshalb solltest du dich auch bandi-rückengerecht verhalten.
In einem zertifizierten Fitnessstudio mit Physiotherapeuten als Trainer bist du gut aufgehoben.
Du schreibst das du nach deinem Training Probleme hast.
Dann machst du eben die falschen Übungen. Lass dir von Physiotherapeuten einen Trainingsplan erstellen.
So Billigstudios wie Mc Fit etc. bist du nicht gut aufgehoben. Ich trainiere zwar bei Mc Fit aber ich weiß genau welche Übungen ich machen kann und welche nicht. Aus 2 Rehas und ca. 5 Jahre Rückenstudie weiß ich genau was mir gut tut.

Eine Reha als Student wirst du wahrscheinlich nicht bekommen.
Einen Rückenschulkurs solltest du auch mal besuchen. Dort lernst wie man sich im Alltagsleben verhalten sollte.
MaggyMF
Guten Tag, ich kann mit den obigen Leuten leider nicht 100% konform gehen.

Ich befinde mich in der gleichen Situation wie du, seit 2,5 Jahren. Eine OP-Indikation ist dann gegeben, wenn deine Lebensqualität signifikant eingeschränkt ist. Das entscheidest allein nur du. Ob mit oder ohne Schmerzmittel.

Ich habe es auch wie du durchgezogen mit Schmerzen die schubweise kamen und gingen und bin jetzt in der Situation, dass ich beginnende Arthrose durch did kaputten Bandscheiben bekommen habe. Die Schmerzen sind nun auch noch schlimmer. Schuld daran sind die höhengeminderten Bandscheiben. Sie sind ebenfalls schwarz und bieten keinerlei Funktion mehr.

Nach vielen Meinungen habe ich mich nun für die Prothesen entschieden, zwei Stück L4-S1.

Diese bekomme ich übernächste Woche eingesetzt.

Dies ist keine OP Empfehlung aber ich würde dir raten allein auf dich zu hören. Sobald du merkst dein Leben, deine „Sozialität“ ist eingeschränkt und du kannst nicht mehr, würde ich mir an deiner Stelle weitere Chirurgen zur Op Frage zur Rate ziehen.

Lg
Pauline69
Liebe Maggy,

ich hoffe, Du hast den richtigen Weg für Dich gewählt!

Du nennst es Sozialität eingeschränkt, ich wünsche Dir von Herzen, dass nach der Operation alles wieder in Ordnung ist, aber ganz so einfach ist das nicht!

Es gibt leider sehr viele Menschen, die nach einer Operation, gerade mit Prothesen, größere Probleme haben, als vorher!
Bist Du bereits an der Lendenwirbelsäule vor-operiert?
Ich frage, weil das Einsetzen von Bandscheibenersatz an der LWS eigentlich nicht die Operation der 1. Wahl ist.
In der Regel wird bei der ersten oder auch zweiten Operation zuerst einmal nur das herausgetretene Bandscheibenmaterial entfernt und nur, wenn das zu keinem dauerhaften Erfolg geführt hat, kommt ein Cage (oder auch eine Prothese) in Betracht.

Viel Erfolg für Deine kommende OP!

Viele Grüße
Pauline
TylerDurden10
Hallo zusammen,

Ich persönlich finde auch, dass das Einsetzen einer Prothese sehr radikal klingt, wenn vorher keine anderen chirurgischen Optionen in Erwägung gezogen wurden. Zumindest habe ich diese Abfolge bisher nie gehört oder selbst vorgeschlagen bekommen. Wie ist denn der Zustand der Bandscheibe? Sollte "nur" Bandscheibenmaterial ausgetreten sein, dann wäre der Schritt ziemlich extrem. Ich kenne allerdings auch eine Person, bei der die Bandscheibe auf dieser Etage quasi völlig "platt" war und es auch nichts mehr an ausgetretenem Material zu entfernen gab. In diesem Falle wurde dann direkt durch eine Versteifung behandelt.

Dass permanente Schmerzen (vor allem in dem Alter und bei dem Level an Aktivität) sehr einschränken, ist völlig klar. Ich hoffe, dass du konservativ noch sehr viel erfolgreich ausschöpfen kannst, bevor an invasivere Methoden gedacht werden muss. Viel Erfolg dabei.

Grüße
Tyler
blumi
Hi Maggy, hi Ben,

es ist immer eine individuelle Entscheidung die jeder nur selbst treffen kann. Aber Ben hat ja um Rat gebeten, und dementsprechend wurde ihm auch geantwortet.
Vielleicht habe ich meine Antwort zu hart formuliert aber im Prinzip sehe ich es so wie Tyler: wenn OP dann doch im Falle eines Vorfalls zunächst das vorgefallene Material entfernen, und nicht die gesamte Bandscheibe.

Bei einer komplett entwässerten oder komplett platten Bandscheibe muss man das anders bewerten, aber auch hier gibt es noch einige Methoden, die auch ohne größere OP schmerzfrei machen können (z.B. Facetteninfiltrationen oder Denervierungen, hat mir bei 3 platten BWS-Bandscheiben sehr geholfen) , damit ein Training der Tiefenmuskulatur ermöglichen, so dass eine so große OP wie eine Bandscheibenprothesenimplantation nicht notwendig wird.

Ich wünsche dir von Herzen, dass deine Prothesenimplantation gut gelingt und du damit schmerzfrei oder zumindest schmerzärmer wirst. Ich selbst stehe den Prothesen, aus eigener Erfahrung, sehr kritisch gegenüber, weil die meiner Meinung nach technisch noch nicht ausgereift sind, das dafür geeignete Patientenkollektiv noch nicht klar definiert ist bzw, unterschiedlich betrachtet wird je nach Operateur und keiner weiß, wie die Langzeitauswirkungen der Prothesen sind. Die Firmen behaupten ja, die halten ein Leben lang, de fakto haften sie 10 Jahre, danach kann ihnen keiner mehr was. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.....
Ich bin sehr froh, dass ich meine (HWS-)-Prothese nach 3 schlimmen Jahren los bin und von C5-7 versteift!

LG, Elke
ben_77
Hallo Leute,

vielen Dank für die vielen und ausführlichen Antworten. Tut mir leid, dass ich so spät antworte.

Vorab wünsche ich Maggy alles gute bei der OP. Ich hoffe du kannst danach positiv berichten wie es gelaufen ist.

Zur Prothese ist mir damals von dem Orthopäden geraten worden, welcher den Bandscheibenvorfall diagnostiziert hat. Damals hatte ich schon sehr starke Schmerzen und er war fest davon überzeugt, dass das wegen meines Alters das beste sei. Höhe und Mobilität ist wieder hergestellt und so. So hatte es dann auch der Neurochirurg seiner Wahl gesagt. Der, welcher es bei mir jetzt schmerztechnisch nicht als erforderlich sieht.

In Sachen Sport habe ich mich auch ziemlich eingeschränkt. Abgesehen von den wenigen Malen, die ich Basketball oder Frisbee spiele mach ich wenig von solchen "hochdynamischen" Dingen. Im Fitnesssudio hab ich mich quasi voll auf Core fokussiert, sprich Übungen für Bauch und unterer Rücken. Natürlich sind auch ein paar Übungen für den Rest dabei. Im großen und ganzen mache ich die Übungen die mir mal vom Physiotherapeut gezeigt wurden. Groß Kohle für n Edle Fitti mit Trainer hab ich nicht.

Grundsätzlich stimme ich euch zu, dass der Einbau einer Prothese sehr krass und radikal ist. Aber ich frage mich, wie sinnvoll es ist stattdessen erstmal ein, zwei oder drei kleine OPs zu machen, mit all ihren Risikos, nur, um danach immer noch das Problem der quasi fehlenden Bandscheibe und der Höhenverminderung zu haben. Hinzukommend Dinge wie Athrose bei Maggy. Da ist doch die einmalige OP der Prothese zielführender (ausgehend davon, dass es bei der einen bleibt).
Ich muss sagen ich finde es allgemein sehr schwierig Informationen, egal ob kritisch oder nicht, zu der Prothese zu finden (oder auch zum Hydrogel-Implantat).

@Maddy: wurde bei dir eine Ursache für die Bandscheibenprobleme identifiziert? So etwas wie ein Hohlkreuz, an dem du arbeiten könntest?

@Blumi: was war das Problem bei deiner Prothese?

Beste Grüße
ben
MaggyMF
Hi ben,

Erstmal danke dir. Eine Ursache dafür liegt etwas in den Genen, mein Vater (kein Kontakt) hatte wohl auch sein Leben mit dem Rücken zutun. Ich habe gegenteilig zu dem Hohlkreuz ein Flachrücken, meine LWS und BWS ist total steilgestellt. Das sind Indikationen die bei hoher Belastung zu Bandscheibenproblemen führen können. Weiterhin habe ich sehr früh mit Bodybuilding angefangen und meiner Wirbelsäule damit sozusagen „den Rest“ gegeben.

Zudem bin ich aktuell (übrigens männlich, geht aus dem Namen nicht immer hervor haha) , 26 Jahre alt und bereits zwei mal voroperiert. Die erste OP war 2015 L4/L5, normale Entfernung des vorgefallenen Gewebes. Ich war sofort Schmerzfrei, 5 Jahre lang, als hätte ich nie Probleme gehabt. 2020 dann der Rückschlag, kleiner Rezidiv und ein grosser BSV eine Etage tiefer. Also L5/S1 wieder operiert (konservativ war beide Male alles ausgeschöpft). Diesmal kein Erfolg, die OP hätte man sich sparen können.

Nun habe ich 2,5 Jahre wirklich konservativ alles gemacht was es gibt. Habe dazu mehr Infos in einem Beitrag hier im LWS Forum.

Muskulatur ist alles da, aber die Rückenschmerzen, eine never ending Story.
Schubweise, es gibt Tage an denen ich keine Tabletten brauche und Tage wo selbst die stärksten Mittel nichts helfen.

Durch meine steilgestellte Wirbelsäule ist es nach einer Spondylodese Versteifung nur eine Frage der Zeit wann meine noch gesunden Bandscheiben über L4/L5 Probleme bekommen, dies ist meisten so. Deswegen hat der Chirurg sich bei mlr (viele Meinungen eingeholt) für zwei Prothesen entschieden.

Wir hoffen das Beste!

Lg und dir viel Glück bei der weiteren Entscheidungsfindung.
Seiten: 1, 2
Dies ist eine "Lo-Fi"-Version unseres Inhalts. Zur kompletten Version mit mehr Informationen, Formatierungen und Bildern bitte hier klicken .
Invision Power Board © 2001-2022 Invision Power Services, Inc.
Angepasst von Shaun Harrison
Übersetzt und modifiziert von Fantome et David, Lafter