Hallo Ihr Lieben,
nun habe ich meine Reha in Ichenhausen hinter mir und möchte Euch meine Erfahrungen berichten.
Passend zu mir mache ich eine pragmatische Gliederung und dann schreibe ich mein persönliches Fazit.

Zimmer: Als Patientin der Orthopädie bekam ich ein 1-Bett-Zimmer. Sehr geräumig war es, mit großer heller Fensterfront. Ursprünglich - als Hygiene nicht eine so große Bedeutung hatte wie jetzt - war es bestimmt ein 2-Bett-Zimmer. Es gibt Balkone, auf denen man auch seine Wäsche trocknen kann (aber nicht rauchen). Der Teppichboden war leider schon recht alt und die Flecken, die man offensichtlich nicht heraus bekam, sprachen für ehemals inkontinente Patienten (?). Einige Zimmer waren aber angeblich schon saniert. Patienten der Neurologie, beziehungsweise Patienten, die bei der Körperpflege Hilfe benötigen, müssen mit 2-Bett-Zimmern vorlieb nehmen. Die Einrichtung war alt aber funktionell. Absolut okay. Gewöhnungsbedürtige Matratze, aber da kann man andere verlangen, das war kein Problem. Die Schwestern rennen notfalls dreimal, um es dem Patienten angenehm zu machen!

Essen: Leider durchgefallen bei mir, da ich ja Weight Watchers-Programm fahre... Frühstück ist okay, da gibt es von Naturjoghurt über Wurst, Käse usw. inclusive Obst und Müsli alles was man sich wünschen kann. Mittags gibt es 2 Gerichte zur Auswahl: Fleisch mit Kohlenhydraten und Soße oder vegetarisch Kohenhydrate mit Soße. Gemüse? So gut wie garnicht. Aber es gibt ein Salatbuffet, da muss man allerdings schnell sein, sonst ist nichts mehr da. Abends nur Brot mit Wurst/Käse und einmal die Woche Salatteller für Vegetarier. Kein Salat. Kein Gemüse. Schaaaaade. :-( Was toll war: Trotz der vielen Esser im Speisesaal kam das Essen immer innerhalb von wenigen Minuten an, und war sogar heiß!

Ärzte: Durchwachsen. Beim Aufnahmegespräch hatte ich eine Ärztin, die mich gut beraten und aufgekärt hatte. Dann ein Arzt, der mir deutlich zeigte, dass er eigentlich keine Zeit für mich hat und das Gegenteil von der Ärztin sagte. Dann beim Abschlussgespräch wieder eine andere Ärztin, die es schade fand, dass man mich nicht zu Sozialdienst schickte, sich aber trotzdem ausreichend Zeit für mich nahm. Es war trotzdem okay. Einziges Manko: Die Visite findet immer zu Zeiten statt, während der man Therapie hat. Und beim Nachtermin hocken dann 4 bis 6 andere Patienten da, die ihren Nachtermin zur gleichen Zeit haben.

Andere Mitarbeiter: Die Schwestern sind gestresst aber freundlich. Überhaupt waren alle Mitarbeiter in der Klinik super nett und geduldig, sogar an der Rezeption und beim Reinigungsdienst. Super!

Therapien/Therapeuten: Absolute Spitze!!! Ich wurde zwar gefordert, aber nicht überfordert. Wenn mir eine Übung Probleme bereitete, dann gaben mir die Therapeuten sofort andere Übungen, die ich gut schaffen konnte. Ich musste nur den Mund aufmachen und erklären, womit ich Probleme habe. Überhaupt hatte ich viele effektive Anwendungen, die von der Belastungsgrenze her auch meine rheumatische Erkrankung berücksichtigten. Die Therapien waren klasse! Ich war den ganzen Tag gut und ausgewogen ausgelastet. Mir haben die Anwendungen super geholfen. Wenn man Probleme hat mit der Zeit zwischen 2 Anwendungen, z.B. beim Anziehen nach dem Bewegungsbad, kann man das bei der Therapieplanungs-Station sagen, und dann wird der Plan individuell angepasst.

Freizeit und Co. : Im Foyer gibt es einen Kiosk mit günstigen Preisen, sowie ein Cafe mit auch recht günstigen Preisen und guten Speisen. Es gibt Freizeitangebote, z.B. Kurse/Vorträge zu interessanten Themen von Olivenöl bis Aromaöl und anderen kreativen Angeboten. Es gibt auch Kino-Abende usw. in der Klinik. Man kann den sogenannten FlexiBus für 1,95 € bestellen, der einen zu einer bestimmten Zeit abholt und z.B. zu einen Verbrauchermarkt, zum Marktplatz oder der Pizzeria in der Nähe fährt und nach Terminabsprache wieder zurück fährt. In der Nähe (aber leider mit einen kleinen Berg hinunter) gibt es auch eine Tankstelle, wo man z.B. Zigaretten, Süßigkeiten und guten Kaffe bekommt. Am Marktplatz gibt es unter anderem eine Sparkasse und einen Bioladen (für mich essentiell). Übrigens: Ich als eingefleischte Wanderin dachte, ich bekomme den Weg vom Bahnhof zur Klinik locker zu Fuß hin... doch es geht lange, sehr lange (!) steil bergauf. Also unbedingt Taxi oder Flexi-Bus anrufen!!! Ich dachte oben, ich sterbe, bevor ich die Klinik erreicht habe...

Hygiene: Leider dürftig. Im Gymnastikraum werden Geriatrie-Patienten mit Wunden und z.B. Blasendauerkathetern behandelt, und trotzdem wurden weder die Händedesinfektion der Therapeuten durchgeführt, noch eine Wischdesinfektion der Therapieliegen oder Hilfmittel! Ich habe einen entsprechenden Kommentar im Patienten-Fragebogen hinterlassen. *ob es wohl was bringt? zwinker* Zeitweise musste ich im Speisesaal mein Essen vor den Fliegen verteidigen. Hygiene also mangelhaft, sage ich mal ganz hart. Zum Glück gibt es überall Händedesinfektionsmittelspender. Wer wie ich immunsupprimiert ist, sollte diese also fleissig benutzen.

Gäste: Sowas von verrückte Leute.... Mir hat es schon nach einer Woche gereicht. Darüber könnte ich mehrere Romane schreiben, falls ich wollte. Aber das ist wahrscheinlich normal bei einer Reha.

Raucher: Für Raucher gibt es einen Pavillon nahe des Eingangs, mit Sitzbank und überdacht. Zigaretten muss man sich auswärts besorgen oder besorgen lassen, z.B. an der nahe gelegenen Tankstelle.

Alkohol: Ist unter Androhung disziplinarischer Maßnahmen verboten, wurde jedoch trotzdem praktiziert von speziellen Kandidaten (dazu gehörte ich zum Glück nicht, aber ich rauche) ohne Konsequenzen. Im Kiosk gibt es keinen Alkohol, es gibt auch keinen entsprechenden Getränkeautomaten. Aber im Cafe kann man sich - falls man es braucht oder möchte - mit Bier eindecken bis 21 Uhr.

Ausgang: Von Montag bis Donnerstag und am Sonntag ist bis 22 Uhr Ausgang, danach kommt man nicht mehr rein. Freitag und Samstag gilt der Ausgang bis 24 Uhr. Ab 6 Uhr Früh ist wieder offen.

Wäsche und Service: Montag und Donnerstag gibt es neue Handtücher. Braucht man eher neue Handtücher, muss man sie nur auf den Boden legen. Zimmer und Bad werden täglich von Montag bis Samstag gereinigt. Die Betten werden 1 mal wöchentlich neu bezogen. Es gibt Waschmaschinen für die Patienten, doch die dafür benötigten Wasch-Wertmarken sind so gut wie nie erhältlich ( 2 Euro für Waschen und Trocknen in modernen Maschinen). Also habe ich ab der 2. Woche per Hand gewaschen. Es gibt noch einen kostenpflichtigen Wäscheservice, aber den wollte und konnte ich mir nicht leisten.
Telefon gibt es als Flatrate für 2,10 € täglich, der TV kostet ebenso viel am Tag. Internet kostet - glaube ich - 2,40 oder 2,70 täglich. Als Multimedia-Flatrate kosten alle 3 Angebote zusammen 5 Euro, glaube ich (keine Gewähr ;-) ). Der TV ist recht groß und in HD.

Meine perönliches Fazit: Super effektive Therapien. Jeden Tag 5 bis 8 Anwendungen, unter anderem das Trutrac, eine "Streckbank", die mir sehr geholfen hat. Viele hilfreiche Vorträge und Tips für mich, meinen Job und vor allen die Selbsthilfe, die ich brauche, um meine Wirbelsäule zu entlasten. Viele tolle Tips für Hilfmittel, die ich privat und im Job verwenden sollte, um klar zu kommen und mir selber helfen zu können. Angepasste Therapien an meine Leistungsfähigkeit. Verständnisvolle und hervorrangend geschulte Therapeuten. Die Hygiene und das Essen könnten noch verbessert werden. Gute Freizeitangebote. Mein Aufenthalt hat sich auf jeden Fall rentiert für mich.

Liebe Grüße.
Claudia.